Das Messgerät zeigt 128 zu 82, der Puls liegt bei 76: alles im grünen Bereich. Trotzdem drückt es seit zwanzig Minuten in der Brust. Genau diese Situation führt immer wieder dazu, dass Menschen mit einem Herzinfarkt zu lange zu Hause bleiben. Denn Puls und Blutdruck verhalten sich bei einem Infarkt nicht nach einem festen Muster: Sie können steigen, fallen oder völlig unauffällig bleiben.
Dieser Ratgeber erklärt, warum das so ist, was ein hoher, ein niedriger oder ein normaler Blutdruck in dieser Situation bedeuten kann, warum ein langsamer Puls bei bestimmten Infarkten typisch ist und wie Rettungsdienst und Klinik die Werte nutzen. Sie erfahren außerdem, was eine Smartwatch leisten kann und was nicht und welche Blutdruckziele nach einem Infarkt gelten.
Das Wichtigste vorab: Kein Blutdruck- oder Pulswert schließt einen Herzinfarkt aus. Halten Brustschmerz, Druck oder Enge länger als fünf Minuten an oder kommen Atemnot, kalter Schweiß oder Übelkeit hinzu, wählen Sie sofort den Notruf 112, ganz gleich, was Ihr Messgerät anzeigt.
Warum es beim Herzinfarkt keine „typischen“ Werte gibt
Bei einem Herzinfarkt wird ein Herzkranzgefäß verschlossen, und der Herzmuskel dahinter erhält zu wenig Sauerstoff. Auf Puls und Blutdruck wirken dann mehrere Kräfte gleichzeitig, und welche überwiegt, ist von Mensch zu Mensch verschieden:
- Stressreaktion: Schmerz und Angst aktivieren das sympathische Nervensystem. Adrenalin und Noradrenalin beschleunigen den Puls und verengen die Gefäße. Der Blutdruck steigt.
- Nachlassende Pumpkraft: Ist ein großer Teil der linken Herzkammer betroffen, wirft das Herz weniger Blut aus. Der Blutdruck sinkt, der Puls steigt meist zum Ausgleich.
- Nervenreflexe: Bei Infarkten an der Hinter- oder Unterwand kann der Vagusnerv gereizt werden. Puls und Blutdruck sinken, oft zusammen mit Übelkeit und Schweiß.
- Störungen der Reizleitung: Wird das elektrische System des Herzens geschädigt, können sehr langsame, sehr schnelle oder unregelmäßige Rhythmen entstehen.
- Medikamente und Vorerkrankungen: Betablocker etwa bremsen den Pulsanstieg; ein langjährig hoher Blutdruck verschiebt das Ausgangsniveau.
Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums nennt als wichtigste Anzeichen eines Infarkts deshalb nicht bestimmte Messwerte, sondern Brustschmerzen, Atemnot und Übelkeit. Welche Warnzeichen Sie kennen sollten, fasst unser Ratgeber Herzinfarkt erkennen: die wichtigsten Symptome zusammen.
Hoher Blutdruck bei Herzinfarkt
Ein erhöhter Blutdruck ist in den ersten Minuten eines Infarkts häufig, vor allem als Folge von Schmerz, Angst und Stresshormonen. Menschen mit bekanntem Bluthochdruck starten dabei von einem höheren Niveau. Für das Herz ist das eine zusätzliche Belastung: Es muss gegen einen höheren Widerstand pumpen und verbraucht dabei mehr Sauerstoff, obwohl ohnehin zu wenig ankommt. In der Klinik wird ein deutlich erhöhter Blutdruck deshalb kontrolliert gesenkt.
Ein hoher Wert bedeutet aber nicht, dass der Kreislauf „stark“ ist und keine Gefahr besteht. Er sagt nichts darüber aus, wie groß der Infarkt ist. Umgekehrt ist nicht jeder Brustschmerz bei hohem Blutdruck ein Infarkt.
Hypertensiver Notfall: sehr hoher Blutdruck mit Brustschmerz
Steigt der Blutdruck stark an, häufig auf Werte über 180/120 mmHg, und treten dabei Brustschmerzen, Atemnot, starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Verwirrtheit oder neurologische Ausfälle auf, sprechen Ärzte von einem hypertensiven Notfall. Dann können Organe wie Herz, Gehirn oder Nieren akut geschädigt werden. Auch das ist ein Fall für die 112, unabhängig davon, ob ein Herzinfarkt vorliegt.
Bluthochdruck als langfristiger Risikofaktor
Davon zu unterscheiden ist der chronische Bluthochdruck, der über Jahre die Gefäßwände schädigt und die Entstehung von Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen fördert. Er gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren Ursachen eines Herzinfarkts. Welche weiteren Risikofaktoren eine Rolle spielen, erklärt der Ratgeber Herzinfarkt-Ursachen und Risikofaktoren. Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten schweren Erkrankungen in Deutschland, und ein gut eingestellter Blutdruck ist einer der wirksamsten Hebel der Vorbeugung. Empfehlungen zur Behandlung gibt die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie.
Niedriger Blutdruck bei Herzinfarkt: ein ernstes Warnsignal
Für Notärztinnen und Notärzte ist ein niedriger Blutdruck bei einem Herzinfarkt oft das beunruhigendere Zeichen. Er kann darauf hindeuten, dass die Pumpleistung des Herzens stark eingeschränkt ist, dass ein Nervenreflex den Kreislauf drosselt oder dass eine schwere Rhythmusstörung vorliegt.
Kardiogener Schock
Die gefährlichste Form ist der kardiogene Schock. Dabei kann das geschädigte Herz nicht mehr genug Blut auswerfen, um die Organe zu versorgen. Fachlich wird er unter anderem an einem anhaltend niedrigen systolischen Blutdruck, meist unter 90 mmHg, oder an der Notwendigkeit kreislaufstützender Medikamente festgemacht, verbunden mit Zeichen einer Minderdurchblutung. Typisch sind:
- blasse, kalte, oft marmorierte und schweißnasse Haut,
- schneller, schwacher Puls,
- Unruhe, Verwirrtheit oder Benommenheit,
- Atemnot, oft durch Wasser in der Lunge,
- wenig oder kein Urin.
Der kardiogene Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Entscheidend ist, das verschlossene Gefäß so schnell wie möglich per Herzkatheter wieder zu öffnen. Zusätzlich stabilisieren Medikamente den Kreislauf; in ausgewählten Fällen kommen Pumpen zur mechanischen Kreislaufunterstützung zum Einsatz. Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zum akuten Koronarsyndrom beschreibt diese Behandlung im Detail.
Wenn die rechte Herzkammer betroffen ist
Bei einem Hinterwandinfarkt ist manchmal auch die rechte Herzkammer beteiligt. Der Blutdruck fällt dann häufig ab, während die Lunge frei bleibt. In dieser Situation können Medikamente, die die Gefäße weiten, wie Nitrospray, den Blutdruck gefährlich weiter senken. Auch bei bereits niedrigem Blutdruck oder nach der Einnahme von Potenzmitteln wie Sildenafil sind Nitrate ungeeignet. Ob ein Nitrospray angewendet werden darf, entscheiden deshalb Rettungsdienst oder Notarzt. Wie sich Hinter- und Vorderwandinfarkte unterscheiden, erklärt unser Ratgeber zu den Arten von Herzinfarkt.
Wer im Alltag zu niedrigem Blutdruck neigt, ist übrigens nicht vor einem Infarkt geschützt. Ein niedriger Ausgangswert ändert nichts an verengten Herzkranzgefäßen.
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Puls bei Herzinfarkt: zu schnell, zu langsam, unregelmäßig
Ein normaler Ruhepuls liegt bei Erwachsenen etwa zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute. Bei einem Herzinfarkt kann er in beide Richtungen davon abweichen oder unauffällig bleiben.
Schneller Puls (Tachykardie)
Ein Puls über 100 Schläge pro Minute ist bei einem Infarkt häufig. Ursachen sind Schmerz, Angst, Stresshormone oder der Versuch des Körpers, eine nachlassende Pumpleistung auszugleichen. Ein dauerhaft sehr schneller Herzschlag verkürzt allerdings die Zeit, in der sich die Herzkammern füllen und der Herzmuskel selbst durchblutet wird. Das kann den Sauerstoffmangel weiter verschärfen. Da Herzrasen auch bei einer Panikattacke auftritt, fällt die Unterscheidung schwer; worauf es dabei ankommt, lesen Sie im Ratgeber Panikattacke oder Herzinfarkt?
Niedriger Puls (Bradykardie)
Ein langsamer Puls unter 60 Schlägen pro Minute ist bei einem Herzinfarkt keineswegs ein beruhigendes Zeichen. Er tritt vor allem bei Infarkten der Hinter- oder Unterwand auf. Das liegt an zwei Mechanismen:
- Vagusreflex: In der Herzhinterwand liegen viele Nervenendigungen des Vagusnervs. Werden sie gereizt, verlangsamt sich der Herzschlag, der Blutdruck sinkt, und häufig kommen Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche hinzu.
- Störung der Reizleitung: Das Gefäß, das die Hinterwand versorgt, versorgt bei den meisten Menschen auch den AV-Knoten, eine wichtige Schaltstelle im elektrischen System des Herzens. Wird er nicht ausreichend durchblutet, kann es zu einem sogenannten AV-Block kommen, bei dem die Erregung von den Vorhöfen nur verzögert oder gar nicht mehr auf die Kammern übergeleitet wird.
Ein sehr langsamer Puls kann Schwindel, Schwäche oder Ohnmacht verursachen. Viele dieser Störungen bilden sich nach der Wiedereröffnung des Gefäßes zurück; in manchen Fällen ist ein vorübergehender oder dauerhafter Herzschrittmacher nötig. Übelkeit und Schwitzen als Begleiter eines langsamen Pulses beschreibt unser Ratgeber zu den untypischen Begleitsymptomen eines Herzinfarkts.
Wichtig: Ein niedriger Puls allein ist kein Infarktzeichen. Viele trainierte Menschen und Menschen, die Betablocker einnehmen, haben dauerhaft einen Ruhepuls unter 60. Verdächtig ist ein langsamer Puls dann, wenn er neu auftritt und von Brustbeschwerden, Schwindel, Übelkeit, Schweiß oder Atemnot begleitet wird.
Unregelmäßiger Puls und Kammerflimmern
Ein Infarkt kann verschiedene Rhythmusstörungen auslösen, von harmlosen Extraschlägen über Vorhofflimmern bis zu gefährlichen Kammerrhythmusstörungen. Die bedrohlichste ist das Kammerflimmern: Die Herzkammern zucken unkoordiniert, pumpen kein Blut mehr, und der Betroffene bricht bewusstlos zusammen. Kammerflimmern ist eine der Hauptursachen für Todesfälle in der frühen Phase eines Infarkts. Dann helfen nur sofortige Herzdruckmassage und ein Defibrillator. Wie Sie im Ernstfall vorgehen, beschreibt der Ratgeber Erste Hilfe bei Herzinfarkt.
| Pulsmuster | Mögliche Ursache beim Infarkt | Andere häufige Erklärungen |
|---|---|---|
| schnell, über 100/min | Stressreaktion, nachlassende Pumpkraft, Rhythmusstörung | Angst, Fieber, Flüssigkeitsmangel, Schilddrüsenüberfunktion |
| langsam, unter 60/min | Vagusreflex oder AV-Block, vor allem bei Hinterwandinfarkt | Ausdauertraining, Betablocker, Schlaf |
| unregelmäßig | Extraschläge, Vorhofflimmern, Kammerrhythmusstörungen | harmlose Extrasystolen, bekanntes Vorhofflimmern |
| nicht tastbar, bewusstlos | Kammerflimmern, Herzstillstand | immer Notfall: 112, Herzdruckmassage, AED |
Normale Werte trotz Herzinfarkt
Gerade bei kleineren Infarkten, in der frühen Phase oder bei Menschen, die Blutdruck- oder Herzmedikamente einnehmen, können Puls und Blutdruck völlig im Normbereich liegen. Das gilt auch für Infarkte, die kaum Beschwerden verursachen. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber zum stillen Herzinfarkt. Ein unauffälliger Messwert ist deshalb nie ein Grund, Brustbeschwerden abzuwarten.
Blutdruck bei Angina pectoris
Auch bei einer Angina pectoris, also anfallsartigen Brustschmerzen durch verengte Herzkranzgefäße, kann der Blutdruck während des Anfalls ansteigen, gleich bleiben oder selten fallen. Typisch ist, dass die Beschwerden bei Belastung auftreten und in Ruhe innerhalb weniger Minuten nachlassen. Halten sie länger als fünf Minuten an, treten sie erstmals oder bereits in Ruhe auf, kann ein Infarkt dahinterstecken. Dann gilt: 112.
Frauen: Blutdruck und Symptome
Eine eigene „weibliche“ Blutdruckreaktion beim Herzinfarkt gibt es nicht. Frauen sind bei einem Infarkt im Durchschnitt jedoch älter als Männer und haben häufiger Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Zudem treten bei ihnen häufiger zusätzliche Beschwerden wie Übelkeit, Atemnot, Rücken- oder Oberbauchschmerzen und Erschöpfung auf, die laut gesund.bund.de auch die einzigen Anzeichen sein können. Ein normaler oder leicht erhöhter Blutdruck kann in dieser Situation zu falscher Beruhigung führen. Welche Zeichen bei Frauen besonders wichtig sind, erklärt der Ratgeber Herzinfarkt-Symptome bei Frauen; die typischen Anzeichen bei Männern beschreibt der Beitrag zu den Herzinfarkt-Symptomen beim Mann.
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Messen oder 112? Was Sie zu Hause tun sollten
Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollten Sie nicht erst das Blutdruckmessgerät suchen. Jede Minute, die vergeht, kostet Herzmuskel. Wählen Sie zuerst den Notruf. Liegt ein Messgerät ohnehin griffbereit oder misst eine anwesende Person nebenbei, können Sie die Werte dem Rettungsdienst mitteilen. Eine Entscheidung über den Notruf sollte davon aber nie abhängen.
Bis der Rettungsdienst eintrifft:
- mit erhöhtem Oberkörper hinsetzen oder hinlegen, enge Kleidung öffnen,
- jede Anstrengung vermeiden und nicht allein bleiben,
- nicht selbst ins Krankenhaus fahren,
- Medikamente nur nach Anweisung der Leitstelle oder des Notarztes einnehmen,
- bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung sofort mit der Herzdruckmassage beginnen und einen Defibrillator (AED) holen lassen.
Weitere Hinweise zu Anzeichen und Notfallverhalten bietet die Deutsche Herzstiftung.
Kann eine Smartwatch einen Herzinfarkt erkennen?
Smartwatches und Fitnessarmbänder messen den Puls, manche können ein Ein-Kanal-EKG aufzeichnen und Vorhofflimmern erkennen. Einen Herzinfarkt können sie jedoch nicht zuverlässig feststellen oder ausschließen, denn dafür sind ein 12-Kanal-EKG und eine Blutuntersuchung nötig. Eine unauffällige Messung auf der Uhr ist deshalb kein Grund, mit dem Notruf zu warten.
Ein Blick auf beide Arme
Ein großer Unterschied zwischen den Blutdruckwerten am linken und rechten Arm in Verbindung mit plötzlichen, sehr starken, reißenden Schmerzen in Brust oder Rücken kann auf einen Riss der Hauptschlagader (Aortendissektion) hindeuten. Dieser Notfall wird anders behandelt als ein Herzinfarkt und muss ebenfalls sofort über die 112 abgeklärt werden.
Was Rettungsdienst und Klinik aus den Werten ablesen
Im Rettungswagen werden Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung fortlaufend überwacht, und es wird so früh wie möglich ein 12-Kanal-EKG geschrieben. Die Diagnose stützt sich auf das EKG und den Bluttest auf das Herzmuskel-Eiweiß Troponin; wie dieser funktioniert, erklärt der Ratgeber Troponin-Test bei Herzinfarkt. Puls und Blutdruck bestimmen vor allem, wie stabil der Kreislauf ist und welche Behandlung als Erstes nötig ist.
| Befund | Mögliche Bedeutung | Konsequenz in der Notfallversorgung |
|---|---|---|
| Blutdruck normal oder leicht erhöht, Puls normal | stabiler Kreislauf, sagt nichts über die Infarktgröße | EKG und Troponin entscheiden; zügige Klinikaufnahme |
| Blutdruck stark erhöht | Stressreaktion, bekannter Bluthochdruck, hypertensiver Notfall | kontrollierte Blutdrucksenkung, Überwachung |
| Blutdruck niedrig, Puls schnell | nachlassende Pumpkraft, drohender kardiogener Schock | Kreislaufstabilisierung, schnellstmöglicher Herzkatheter |
| Blutdruck niedrig, Puls langsam | Vagusreflex, AV-Block, Beteiligung der rechten Herzkammer | keine gefäßerweiternden Mittel, ggf. Medikamente oder Schrittmacher |
| Puls unregelmäßig oder nicht tastbar | Rhythmusstörung bis Kammerflimmern | Monitorüberwachung, ggf. Defibrillation und Wiederbelebung |
Nach dem Infarkt: Blutdruck und Puls im Alltag
Nach einem Infarkt gehört ein gut eingestellter Blutdruck zu den wichtigsten Bausteinen, um ein erneutes Ereignis zu verhindern. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt in ihrer Bluthochdruck-Leitlinie von 2024 für die meisten behandelten Erwachsenen, sofern gut verträglich, einen systolischen Zielbereich von 120 bis 129 mmHg. Welcher Zielwert für Sie richtig ist, hängt von Alter, Nierenfunktion, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit ab und wird von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt festgelegt.
Viele Betroffene messen nach einem Infarkt regelmäßig zu Hause. Das ist sinnvoll, wenn es nach einem festen Schema geschieht: am besten morgens und abends in Ruhe im Sitzen, mit passender Oberarmmanschette, und die Werte in einem Protokoll festgehalten, das Sie zu den Kontrollterminen mitnehmen. Ändern Sie Ihre Medikamente nicht eigenständig aufgrund einzelner Messungen, sondern besprechen Sie auffällige Werte, Schwindel oder einen sehr langsamen Puls mit Ihrer Praxis.
Wer nach einem Infarkt jeden Messwert mit Sorge betrachtet, ist nicht allein. Ständiges Kontrollieren kann die Angst sogar verstärken. Was in diesem Fall hilft, beschreibt der Ratgeber Angst nach dem Herzinfarkt.
Die finanzielle Seite nach einem Infarkt
Ein Herzinfarkt, besonders ein komplizierter Verlauf, bedeutet häufig Klinik, Reha und mehrere Wochen Arbeitsunfähigkeit; manchmal bleiben dauerhafte Einschränkungen. Daraus kann eine Einkommenslücke entstehen, die vor allem Selbstständige trifft. Wie groß Ihre persönliche Versorgungslücke wäre, zeigt unser Ratgeber. Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung kann bei einer versicherten Diagnose eine vereinbarte Einmalzahlung leisten; der Herzinfarkt gehört bei vielen Tarifen zu den versicherten schweren Erkrankungen, wobei je nach Tarif bestimmte medizinische Kriterien erfüllt sein müssen. Wie die Absicherung von Herzinfarkt und Schlaganfall funktioniert und wann eine Schwere-Krankheiten-Versicherung sinnvoll ist, erklären unsere Ratgeber. Eine solche Police ergänzt eine Berufsunfähigkeitsversicherung, ersetzt sie aber nicht.
In einer kostenlosen Erstberatung zeigen wir Ihnen anbieterneutral, in welcher Größenordnung eine Absicherung bei schweren Herzerkrankungen für Sie läge.
Häufig gestellte Fragen
Wie ist der Blutdruck bei einem Herzinfarkt?
Das ist sehr unterschiedlich. Häufig steigt der Blutdruck zunächst durch Schmerz und Stresshormone an. Er kann aber auch normal bleiben oder abfallen, etwa wenn die Pumpkraft des Herzens nachlässt, ein Nervenreflex den Kreislauf drosselt oder eine Rhythmusstörung auftritt. Ein bestimmter Blutdruckwert beweist oder widerlegt einen Herzinfarkt nicht.
Ist der Puls bei einem Herzinfarkt immer erhöht?
Nein. Häufig ist der Puls beschleunigt, er kann aber auch normal sein oder deutlich langsamer werden, vor allem bei Infarkten der Hinter- oder Unterwand. Auch unregelmäßige Rhythmen sind möglich. Der Puls allein ist kein verlässliches Zeichen.
Kann ein niedriger Puls auf einen Herzinfarkt hindeuten?
Ja, ein neu auftretender, langsamer Puls kann bei einem Herzinfarkt vorkommen, besonders wenn die Hinterwand betroffen ist. Ursache ist entweder ein Vagusreflex oder eine Störung der Reizleitung. Verdächtig ist er vor allem in Verbindung mit Brustbeschwerden, Schwindel, Übelkeit oder Schweiß. Ein dauerhaft niedriger Ruhepuls bei trainierten Menschen oder unter Betablockern ist dagegen meist harmlos.
Warum ist niedriger Blutdruck beim Herzinfarkt gefährlich?
Ein niedriger Blutdruck kann darauf hinweisen, dass das Herz nicht mehr genug Blut pumpt und ein kardiogener Schock droht, oder dass eine Rhythmusstörung den Kreislauf beeinträchtigt. Dann werden Gehirn, Nieren und andere Organe nicht ausreichend versorgt. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden.
Kann der Blutdruck bei einem Herzinfarkt normal sein?
Ja. Vor allem bei kleineren Infarkten, in der frühen Phase oder bei Menschen, die Blutdruckmedikamente einnehmen, können die Werte im Normbereich liegen. Ein normaler Blutdruck schließt einen Herzinfarkt nicht aus. Entscheidend sind die Beschwerden: Halten Brustschmerz oder Druck länger als fünf Minuten an, wählen Sie die 112.
Sollte ich bei Verdacht auf Herzinfarkt zuerst den Blutdruck messen?
Nein. Wählen Sie zuerst den Notruf 112. Die Messung kostet Zeit und kann einen Infarkt weder bestätigen noch ausschließen. Liegt ein Messgerät griffbereit, können die Werte dem Rettungsdienst nebenbei mitgeteilt werden, die Entscheidung für den Notruf sollte davon aber nicht abhängen.
Kann eine Smartwatch einen Herzinfarkt erkennen?
Nein, nicht zuverlässig. Smartwatches messen den Puls und können teilweise ein einfaches EKG aufzeichnen, etwa zur Erkennung von Vorhofflimmern. Für die Diagnose eines Herzinfarkts sind aber ein 12-Kanal-EKG und ein Bluttest nötig. Eine unauffällige Messung auf der Uhr ist kein Grund, bei Beschwerden abzuwarten.
Welcher Blutdruck wird nach einem Herzinfarkt angestrebt?
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt für die meisten behandelten Erwachsenen bei guter Verträglichkeit einen systolischen Wert zwischen 120 und 129 mmHg. Der individuelle Zielwert hängt von Alter, Nierenfunktion, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit ab und wird von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt festgelegt.
Fazit: Die Beschwerden zählen, nicht die Zahl auf dem Display
Puls und Blutdruck folgen bei einem Herzinfarkt keinem festen Schema. Ein hoher Blutdruck ist oft eine Stressreaktion, ein niedriger Blutdruck kann auf eine nachlassende Pumpkraft oder einen kardiogenen Schock hinweisen, und ein langsamer Puls ist bei Infarkten der Hinterwand typisch. Ebenso häufig bleiben die Werte unauffällig. Deshalb gilt: Verlassen Sie sich bei Brustbeschwerden nicht auf Ihr Messgerät oder Ihre Smartwatch, sondern wählen Sie die 112. Nach einem Infarkt sind ein gut eingestellter Blutdruck und regelmäßige Kontrollen zentrale Bausteine der Nachsorge. Wer sich zusätzlich mit der finanziellen Vorsorge beschäftigen möchte, findet einen Überblick in unserer Tarifübersicht zur Schwere-Krankheiten-Versicherung.
Lassen Sie sich kostenlos und unverbindlich zeigen, welcher Schutz bei schweren Herzerkrankungen zu Ihrer Lebenssituation passt.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung und keine individuelle Versicherungsberatung. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie sofort den Notruf 112. Stand: Oktober 2026.
