Das Wichtigste in Kürze
- Enumerationsprinzip: Versichert ist nur, was namentlich im Katalog steht. Eine schwere Erkrankung ohne Katalogposition löst keine Leistung aus.
- Spannbreite am Markt: Die von uns geführten Tarife decken zwischen rund 50 und 75 Erkrankungen ab, teilweise ergänzt um einen erweiterten Katalog mit begrenzter Versicherungssumme.
- Definition schlägt Anzahl: Jede Katalogposition besteht aus Diagnose, Leistungsvoraussetzung, Ausschlüssen und teils einer Wartezeit. Die Leistungsvoraussetzung entscheidet über die Höhe.
- Teilleistungen sind der wichtigste Qualitätsindikator: Sie verhindern, dass ein leichterer Verlauf zum Totalausfall wird.
- Regelmäßig nicht enthalten: psychische Erkrankungen, Rücken- und Gelenkleiden, die meisten Krebsfrühformen und Hautkrebs außer dem malignen Melanom.
Der Krankheitskatalog: Das Herzstück der Police
Jede Dread-Disease-Versicherung basiert auf einem abschließend definierten Katalog schwerer Erkrankungen. Er listet jene Diagnosen auf, bei deren erstmaligem Nachweis der Versicherer eine vereinbarte Kapitalleistung auszahlt. Dabei handelt es sich nicht um eine Erstattung von Behandlungskosten, sondern um eine einmalige Kapitalleistung, die Sie frei verwenden können – etwa für Umbaumaßnahmen im Haus, die Finanzierung zusätzlicher Reha-Maßnahmen oder die Auffüllung einer Einkommenslücke. Wie diese Leistungsform funktioniert, erklärt der Beitrag zur Einmalleistung im Vergleich zur Rente.
Dieses Enumerationsprinzip ist zugleich die zentrale Stärke und die zentrale Schwäche der Produktgattung: Es macht die Leistungsprüfung planbar, schließt aber alles aus, was nicht ausdrücklich genannt ist. Wie sich das in der Gesamtbewertung auswirkt, ordnet unser Ratgeber zu den Vor- und Nachteilen ein.
Wie eine Katalogposition aufgebaut ist
Wer die Bedingungswerke aufschlägt, findet keine Stichwortliste, sondern für jede Erkrankung einen mehrteiligen Definitionsblock. In der Regel besteht er aus fünf Bausteinen:
- Versicherter Sachverhalt: „Versichert ist die erste Diagnose eines …“. Der Zusatz „erste Diagnose“ ist wichtig – Rezidive derselben Erkrankung sind damit in der Regel nicht erneut versichert.
- Ausdrückliche Ausschlüsse: Beim Herzinfarkt etwa nennt die Nürnberger Angina pectoris und Herzmuskelentzündungen, beim Schlaganfall transitorische ischämische Attacken und Migräne.
- Leistungsvoraussetzungen: Der entscheidende Teil. Hier steht, welcher Schweregrad, welche Therapienotwendigkeit oder welche Dauer einer Einschränkung erfüllt sein muss.
- Nachweisanforderungen: Regelmäßig muss ein Facharzt der einschlägigen Fachrichtung die Diagnose „anhand der zum Zeitpunkt des Versicherungsfalls schulmedizinisch anerkannten Standards“ bestätigen. Die Bedingungen verweisen also auf den jeweils gültigen medizinischen Standard, nicht auf eine bestimmte Leitlinie einer Fachgesellschaft.
- Wartezeit: Für einzelne Positionen gilt eine Frist ab Versicherungsbeginn, innerhalb derer eine Diagnose noch nicht zur Leistung führt.
Genau deshalb greift der verbreitete Vergleich „80 Krankheiten sind besser als 40“ zu kurz. Wie Sie diese Blöcke systematisch lesen, zeigen wir unter Vertragsbedingungen richtig verstehen; die begriffliche Grundlage liefert der Beitrag zu was im Versicherungsrecht als schwere Krankheit gilt.
Wie viele Krankheiten decken die Tarife ab?
| Tarif | Umfang | Struktur | Besonderheit im Katalog |
|---|---|---|---|
| Zurich Eagle Star | 75 Erkrankungen | Sechs Gruppen: Tumore, Herz/Kreislauf, entzündliche Erkrankungen, Körperteile und -funktionen, Gehirn und Nervensystem, sonstige Erkrankungen | Zahlreiche Positionen mit Teilleistung; fünf zusätzliche Kinderdiagnosen ab Geburt |
| Canada Life | 55 Erkrankungen, optional 25 weitere | Alphabetischer Katalog plus erweiterter Krankheitenkatalog als Zusatzoption | Erweiterter Katalog mit begrenzter Versicherungssumme; Multi-Pay-Option für eine zweite Erkrankung |
| Nürnberger Dread Disease | mehr als 50 Erkrankungen | Sieben Krankheitsbereiche mit durchnummerierten Positionen, teils getrennt nach Voll- und Teilsumme | Teilsumme bei Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Multipler Sklerose bereits im Anfangsstadium |
| Gothaer Perikon | mindestens 50 Erkrankungen | Gruppiert nach Volkskrankheiten, Alterserkrankungen, Erkrankungen des Gehirns und weiteren Krankheiten | Demenz und Alzheimer ohne Altersbegrenzung während der Vertragslaufzeit |
Die Zahlen sind bewusst nicht direkt vergleichbar. Ein Anbieter zählt „Schlaganfall – Vollleistung“ und „Schlaganfall – Teilleistung“ als zwei Positionen, ein anderer fasst sie zusammen. Ein Katalog mit 75 Einträgen kann inhaltlich enger sein als einer mit 50, wenn die Definitionen strenger gefasst sind. Umgekehrt gilt dasselbe.
Die Kerngruppen im Detail
Tumorerkrankungen
Krebs ist in jedem Tarif die zentrale Säule – zu Recht: Nach Schätzungen des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut erkrankten im Jahr 2023 in Deutschland rund 517.800 Menschen neu an Krebs. In der Leistungspraxis der Versicherer schlägt sich das deutlich nieder: Zurich Life Assurance plc weist in der Leistungsübersicht 2025 aus, dass von rund 30,5 Millionen Euro Gesamtleistung allein 19,7 Millionen Euro auf Krebserkrankungen entfielen.
Versichert ist typischerweise der invasiv wachsende Krebs, definiert über unkontrolliertes Wachstum bösartiger Zellen, die in gesundes Gewebe eindringen, es zerstören und metastasieren können. Ausdrücklich eingeschlossen sind meist Leukämie, Lymphome, Morbus Hodgkin und maligne Knochenmarkerkrankungen. Regelmäßig nicht versichert sind dagegen:
- prämaligne Tumoren und Borderline-Tumoren
- Krebsfrühformen, also Carcinoma in situ
- alle Formen von Hautkrebs außer dem malignen Melanom
Hier zeigt sich ein echter Tarifunterschied. Der Zurich Eagle Star Krankheits-Schutzbrief nimmt genau diese Grenzfälle als eigene Teilleistungspositionen auf: Carcinoma in situ der Speiseröhre, duktales Carcinoma in situ der Brust, niedrig-malignes Prostatakarzinom und sonstige niedrig-maligne Tumoren. Gutartige Gehirn- und Rückenmarkstumoren finden sich in nahezu allen Katalogen, allerdings gekoppelt an neurologische Folgen: Die Nürnberger verlangt beim gutartigen Hirntumor, dass mindestens eine definierte Einschränkung – etwa Halbseitenlähmung, Querschnittslähmung, Aphasie oder schwere Schluckstörung – länger als drei Monate ununterbrochen besteht.
Vertiefend: Krebs und Schwere-Krankheiten-Versicherung, die häufigsten Krebsdiagnosen sowie der Ratgeber zu Brustkrebs-Diagnosen und Stadien.
Herz und Kreislauf
Die zweite Säule bilden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Herzstiftung weist im Deutschen Herzbericht für 2023 rund 185.800 Krankenhausfälle wegen Herzinfarkt aus. Standardpositionen sind Herzinfarkt, Bypass-Operation, Herzklappenoperation, Kardiomyopathie, Herzstillstand und Operationen an der Hauptschlagader.
Wie eng die Definitionen sein können, zeigt der Herzinfarkt bei der Nürnberger besonders deutlich. Versichert sind sowohl STEMI als auch Non-STEMI – die volle Versicherungssumme setzt jedoch voraus, dass nach dem Infarkt über mehr als drei Monate ununterbrochen eine reduzierte Auswurfleistung der linken Herzkammer von unter 45 Prozent besteht. Ohne diese Herzleistungsschwäche wird eine Teilsumme von 50 Prozent geleistet, höchstens 25.000 Euro. Auch die Bypass-Operation ist präzise gefasst: Sie muss die Eröffnung des Brustkorbs durch Durchtrennen des Brustbeins und die Eröffnung des Herzbeutels umfassen. Und die Angioplastie setzt die Aufweitung von mindestens zwei jeweils zu mehr als 70 Prozent verengten Herzkranzgefäßen voraus.
Der Zurich-Katalog geht hier breiter und nimmt zusätzlich Angioplastie, Transkatheter-Aortenklappenimplantation, Karotisstenose und Herzinsuffizienz als Teilleistungspositionen auf, dazu konstriktive Perikarditis, primäre pulmonalarterielle Hypertonie und die Implantation einer Aortenprothese.
Hintergrund zu den Befunden: STEMI und NSTEMI erklärt, Troponin-Test, Bypass-Operation und leichter Herzinfarkt. Zur versicherungsseitigen Einordnung: Herzinfarkt und Schlaganfall absichern.
Gehirn und Nervensystem
Die dritte Kerngruppe ist neurologisch geprägt und für jüngere Versicherte oft die relevanteste. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe beziffert die jährlichen Schlaganfälle auf rund 270.000, davon knapp 200.000 Ersterkrankungen; rund 30.000 Betroffene sind jünger als 55 Jahre. Nach den Auswertungen des MS-Registers der DMSG leben in Deutschland über 300.000 Menschen mit Multipler Sklerose; das durchschnittliche Alter bei Erkrankungsbeginn liegt bei rund 33 Jahren. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt rund 1,84 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.
Beim Schlaganfall gilt dieselbe Logik wie beim Herzinfarkt: Die Nürnberger leistet die volle Summe, wenn mindestens eine definierte Einschränkung – Halbseitenlähmung, vollständiger Sprachverlust oder vollständiger Verlust des Sehens auf mindestens einem Auge – länger als drei Monate ununterbrochen besteht. Liegen diese Folgen nicht vor, greift die Teilsumme. TIA und Migräne sind ausgeschlossen. Die verbreitete Vorstellung, ein Schlaganfall sei bereits nach 24 Stunden anhaltender Symptome versichert, trifft auf die am deutschen Markt üblichen Dread-Disease-Definitionen nicht zu.
Der neurologische Teil des Nürnberger-Katalogs umfasst unter anderem akute bakterielle Meningitis, ALS, Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, familiäre Motoneuronerkrankung, Kinderlähmung, Multiple Sklerose (getrennt nach Voll- und Teilsumme), Multisystematrophie, Muskeldystrophie, offene Operation im Gehirn, Parkinson-Krankheit, progressive supranukleäre Blickparese, primäre Lateralsklerose, progressive Bulbärparalyse, progressive spinale Muskelatrophie und Querschnittslähmung.
Achten Sie hier auf Altersgrenzen – sie sind ein häufig übersehener Unterschied. Die Nürnberger versichert die Alzheimer-Erkrankung vor dem 67. Geburtstag sowie schwere Erkrankungen des zentralen Nervensystems vor dem 67. Geburtstag. Gothaer Perikon wirbt umgekehrt damit, dass für Alzheimer- und Demenzerkrankungen während der Vertragslaufzeit keine Altersbegrenzung der Leistung gilt. Wer die Absicherung gerade wegen dieses Risikos abschließt, sollte diesen Punkt zum Auswahlkriterium machen. Mehr dazu unter Demenz und Alzheimer absichern sowie MS, Parkinson und ALS absichern.
Innere Organe und entzündliche Erkrankungen
Diese Gruppe entscheidet oft darüber, ob ein Katalog als umfassend gelten kann. Typische Positionen sind dialysepflichtiges Nierenversagen, schwere Leberfunktionsstörung, schwere Lungenerkrankung, Ausfall der Bauchspeicheldrüsenfunktion, systemischer Lupus erythematodes, fortgeschrittene rheumatoide Arthritis und Organtransplantationen von Leber, Niere, Lunge oder Bauchspeicheldrüse.
Der Zurich-Katalog nimmt zusätzlich schweren Morbus Crohn und Colitis ulcerosa als Teilleistungspositionen auf, dazu chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, primär sklerosierende Cholangitis, Kurzdarmsyndrom, interstitielle Lungenerkrankungen, schwere Sepsis und aplastische Anämie. Die pauschale Aussage, chronisch entzündliche Darmerkrankungen seien nur in Ausnahmetarifen versichert, ist damit überholt – sie stimmt für einen Teil des Marktes, aber nicht für alle Tarife.
Verletzungen und Verlust von Fähigkeiten
Nahezu alle Kataloge enthalten eine Gruppe, die nicht an eine Krankheitsdiagnose, sondern an eine Funktionseinbuße anknüpft: Blindheit, Taubheit, Verlust der Sprache, Verlust oder Funktionsausfall von Gliedmaßen, Lähmungen, Koma, schwere Kopf- und Hirnverletzungen sowie schwere Verbrennungen, Verätzungen und Erfrierungen. Die Nürnberger führt zusätzlich Pflegebedürftigkeit zwischen dem 15. und dem 67. Geburtstag sowie den Verlust von Grundfähigkeiten infolge eines Unfalls, Zurich den Verlust der selbstständigen Lebensführung und Polytrauma infolge eines schweren Unfalls.
Diese Positionen sind der Punkt, an dem sich die Dread-Disease-Police der Grundfähigkeits- und Berufsunfähigkeitsabsicherung annähert – ohne sie zu ersetzen.
Blut, Infektionen und HIV
HIV ist ein gutes Beispiel für begrenzt versicherte Risiken. Die Tarife decken die Infektion nicht generell ab, sondern nur bei definierten Übertragungswegen. Canada Life nennt HIV-Infektion als Folge eines körperlichen Übergriffs, erworben als Folge bestimmter beruflicher Tätigkeiten sowie durch Bluttransfusion. Die Nürnberger führt HIV-Infektion durch eine bestimmte berufliche Tätigkeit sowie fortgeschrittene Hepatitis C und/oder HIV-Infektion durch Transfusion von Blutprodukten. Gothaer nennt HIV durch Bluttransfusion oder Berufsausübung. Ebenfalls in dieser Gruppe: aplastische Anämie, Knochenmarktransplantation und berufsbedingte Hepatitis C.
Eigene Positionen für mitversicherte Kinder
Wenn Kinder beitragsfrei mitversichert sind, gilt der Erwachsenenkatalog – teilweise ergänzt um kindspezifische Diagnosen. Der Zurich Eagle Star Krankheits-Schutzbrief nennt für mitversicherte Kinder fünf zusätzlich ab Geburt versicherte Positionen: Muskeldystrophie, Spina bifida, infantile Zerebralparese, Hydrozephalus und Verätzungen der Speiseröhre. Beachten Sie, dass für mitversicherte Kinder häufig eigene Wartezeiten gelten, bei der Gothaer beispielsweise ein Jahr.
Erfahren Sie in einer kostenlosen Erstberatung, wie ein Tarif mit passendem Krankheitskatalog für Ihre Situation beitragsmäßig aussieht – ganz ohne Online-Rechner.
Teilleistungen: der wichtigste Qualitätsindikator
Wenn Sie nur ein einziges Kriterium prüfen können, prüfen Sie dieses. Teilleistungen entschärfen das Alles-oder-Nichts-Prinzip: Erfüllt ein Befund die Definition der Vollleistung nicht, entsteht kein Totalausfall, sondern ein reduzierter Anspruch.
Die Ausgestaltung unterscheidet sich deutlich. Der Zurich Eagle Star Krankheits-Schutzbrief sieht bei einem niedrigeren Schweregrad eine Teilleistung von maximal 25.000 Euro je Versicherungsfall vor, wobei mehrere Teilleistungen beim Auftreten mehrerer solcher Erkrankungen möglich sind; bei neun Erkrankungen zahlt der Tarif umgekehrt bis zu 200 Prozent der Vollleistung, höchstens jedoch eine Erhöhung um 40.000 Euro. Die Nürnberger leistet 50 Prozent der Versicherungssumme, maximal 25.000 Euro, bei Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Multipler Sklerose bereits im Anfangsstadium. Canada Life bildet Grenzfälle über den optionalen erweiterten Krankheitenkatalog mit 25 zusätzlichen Erkrankungen und begrenzter Versicherungssumme ab.
Der praktische Effekt ist erheblich: Ein Herzinfarkt ohne bleibende Herzleistungsschwäche, ein Schlaganfall ohne dauerhafte neurologische Ausfälle oder ein Tumor, der durch Operation vollständig entfernt werden konnte – all das sind Fälle, in denen ein Tarif ohne Teilleistungssystematik nicht zahlt und ein Tarif mit ihr eine spürbare Summe auskehrt.
Was regelmäßig nicht im Katalog steht
Nicht jede schwere Diagnose löst die Police aus. Die folgenden Bereiche fehlen in den meisten Katalogen:
- Psychische Erkrankungen. Depression, Angst- und Belastungsstörungen oder Schizophrenie finden sich praktisch nie im Katalog – obwohl psychische Erkrankungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung seit Jahren der häufigste Leistungsauslöser sind. Wer vor allem dieses Risiko absichern will, braucht eine BU oder eine Erwerbsunfähigkeitsabsicherung.
- Rücken- und Gelenkleiden. Bandscheibenvorfälle, chronische Rückenschmerzen und degenerative Gelenkerkrankungen sind standardmäßig ausgeschlossen.
- Krebsfrühformen und die meisten Hautkrebsarten – sofern der Tarif sie nicht ausdrücklich als Teilleistung führt.
- Leichte kardiale und neurologische Ereignisse ohne bleibende Folgen, insbesondere TIA und Migräne.
- Seltene Erkrankungen ohne eigene Katalogposition. Dazu unser Beitrag zu seltenen Krankheiten.
Der Sonderfall Diabetes
Diabetes mellitus wird oft pauschal als „nicht versichert“ bezeichnet. Das stimmt so nicht mehr: Der Zurich-Katalog führt Diabetes Typ 1 ausdrücklich als Teilleistungsposition. In den übrigen von uns geführten Tarifen ist die Grunderkrankung nicht enthalten; erst schwere Folgeerkrankungen wie dialysepflichtiges Nierenversagen, Blindheit oder die Amputation von Gliedmaßen können den Leistungsfall auslösen, sofern sie als eigene Position aufgeführt sind. Wie stark Diabetes das kardiovaskuläre Risiko erhöht, zeigt unser Beitrag zu Diabetes als Risikofaktor für den Herzinfarkt.
Allgemeine Leistungsausschlüsse jenseits des Katalogs
Unabhängig vom Katalog enthalten die Bedingungen einen Abschnitt mit allgemeinen Ausschlüssen. Bei der Gothaer sind das im Kern innere Unruhen, an denen die versicherte Person auf Seiten der Unruhestifter teilgenommen hat, kriegerische Ereignisse sowie der vorsätzliche Einsatz oder das vorsätzliche Freisetzen atomarer, biologischer oder chemischer Waffen und Stoffe. Die Nürnberger stellt für einzelne Positionen klar, dass eine Erkrankung nicht versichert ist, wenn sie mittelbar oder unmittelbar durch Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum oder eine absichtliche Vergiftung ausgelöst wurde; die medizinisch indizierte Einnahme von Medikamenten ist davon ausdrücklich nicht erfasst.
Ein weit verbreiteter Irrtum betrifft Beruf und Sport: Anders als in der Berufsunfähigkeitsversicherung führen ein körperlich anspruchsvoller Beruf oder eine risikoreiche Sportart bei Dread-Disease-Tarifen in der Regel weder zu einer Berufsgruppeneinstufung noch zu pauschalen Leistungsausschlüssen. Genau das macht die Police für Handwerker und andere Berufsgruppen mit erschwertem BU-Zugang interessant.
Individuelle Ausschlüsse können hinzukommen, wenn im Antragsverfahren Vorerkrankungen offengelegt wurden. Sie stehen dann in Ihren persönlichen Vertragsunterlagen und nicht in den allgemeinen Bedingungen. Dazu: Vorerkrankungen und Risikovoranfrage sowie Gesundheitsfragen.
Lassen Sie sich kostenlos zeigen, wie groß die finanzielle Lücke bei einer schweren Erkrankung in Ihrer persönlichen Situation wäre und welcher Leistungsumfang sie schließt.
Qualität vor Quantität: So vergleichen Sie Kataloge richtig
Viele Interessenten vergleichen Dread-Disease-Tarife anhand der bloßen Anzahl abgedeckter Erkrankungen. Aussagekräftiger sind diese sieben Prüfpunkte:
- Teilleistungen. Bei wie vielen Positionen zahlt der Tarif anteilig, und wie hoch ist die Teilleistung gedeckelt? Sind mehrere Teilleistungen nebeneinander möglich?
- Definitionen der Volkskrankheiten. Wie sind Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall konkret gefasst? Welche Schweregradschwellen und welche Dauervoraussetzungen gelten?
- Altersgrenzen im Katalog. Gibt es Positionen, die nur bis zu einem bestimmten Geburtstag versichert sind – etwa Alzheimer oder Pflegebedürftigkeit?
- Mehrfachleistung. Entsteht bei einer zweiten, anderen schweren Erkrankung ein erneuter Anspruch? Siehe Mehrfachleistung und Second-Event-Lösung.
- Wartezeiten je Diagnose. Für welche Positionen gilt welche Frist ab Versicherungsbeginn? Details unter Karenzzeit, Wartezeit und Überlebensklausel.
- Nachversicherung und Dynamik. Lässt sich die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen, und bis zu welchem Alter?
- Beitragskalkulation. Garantierter Risikobeitrag oder fondsgebundene Kalkulation? Zur Einordnung: Kosten und Kostenfaktoren.
Ein Hinweis zur Katalogentwicklung: Der Krankheitskatalog wird während der Vertragslaufzeit in der Regel nicht automatisch erweitert. Maßgeblich ist die Tarifgeneration, die Sie abgeschlossen haben. Was sich mitentwickelt, ist der medizinische Standard, auf den die Definitionen verweisen – nicht die Liste selbst. Wie stark sich die Bedingungswerke über die Jahre verändert haben, zeigt die historische Entwicklung dieser Versicherungsform.
Welcher Katalog passt zu wem?
Die Frage, welche Krankheiten eine Dread-Disease-Versicherung abdecken soll, lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein 30-jähriger Familienvater mit Bürojob hat andere Schwerpunkte als eine 55-jährige Handwerkerin mit familiärer Vorbelastung. Der ideale Katalog spiegelt Ihre persönliche Risikolage wider, nicht den Durchschnitt aller Versicherten.
| Situation | Worauf im Katalog besonders achten |
|---|---|
| Junge Berufstätige und junge Familien | Breite neurologische Gruppe (MS beginnt im Schnitt um das 33. Lebensjahr), Teilleistungen, weit gefasste Nachversicherungsgarantie, beitragsfreie Mitversicherung der Kinder |
| Familiäre Vorbelastung Herz-Kreislauf | Positionen jenseits von Herzinfarkt und Bypass: Kardiomyopathie, Herzklappenoperation, Herzinsuffizienz und Angioplastie als Teilleistung |
| Familiäre Vorbelastung Demenz | Altersgrenze der Alzheimer- und Demenzposition, mögliche Vertragslaufzeit bis ins hohe Alter |
| Selbstständige und Freiberufler | Breiter Gesamtkatalog, Teilleistungen für schnelle Liquidität, ausreichende Versicherungssumme |
| Handwerker und körperlich Tätige | Gruppe „Verletzungen und Verlust von Fähigkeiten“, Verlust von Grundfähigkeiten infolge eines Unfalls, Polytrauma |
| Beschäftigte im Gesundheitswesen | HIV- und Hepatitis-C-Positionen mit beruflichem Übertragungsweg |
| Beamte mit Dienstunfähigkeitsversorgung | Kritisch prüfen: Der Zusatznutzen liegt vor allem in den Zusatzkosten, nicht im Einkommensersatz |
Ob die Absicherung insgesamt zu Ihnen passt, klärt der Ratgeber, ob eine Schwere-Krankheiten-Versicherung sinnvoll ist. Wie groß die Lücke ohne private Absicherung ausfällt, zeigt der Beitrag zur Versorgungslücke. Und welche Diagnosen in Deutschland statistisch führen, lesen Sie unter Top schwere Krankheiten in Deutschland.
Prüfen Sie unverbindlich, welche Tarife auf dem deutschen Markt Ihrem persönlichen Gesundheitsprofil entsprechen – ohne Verkaufsdruck und mit neutraler Expertise.
Häufig gestellte Fragen
Welche Krankheiten deckt eine Dread-Disease-Versicherung typischerweise ab?
Fast alle Tarife enthalten invasiv wachsenden Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall sowie schwere Herzoperationen wie Bypass und Herzklappenersatz. Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson, ALS und Alzheimer sind meist ebenfalls versichert. Hinzu kommen schwere Organschäden wie dialysepflichtiges Nierenversagen oder schwere Leberfunktionsstörungen, Organtransplantationen, Koma sowie der Verlust von Sehen, Hören, Sprache oder Gliedmaßen.
Wie viele Krankheiten sind üblicherweise versichert?
Die von uns geführten Tarife liegen zwischen rund 50 und 75 Erkrankungen; Canada Life bietet zusätzlich einen erweiterten Katalog mit 25 weiteren Erkrankungen und begrenzter Versicherungssumme. Die Zahlen sind allerdings nicht direkt vergleichbar, weil manche Anbieter Voll- und Teilleistungsvarianten derselben Erkrankung getrennt zählen.
Sind alle Krebsarten in jeder Police enthalten?
Nein. Versichert ist typischerweise der invasiv wachsende Krebs einschließlich Leukämie, Lymphomen und Morbus Hodgkin. Regelmäßig ausgeschlossen sind Krebsfrühformen (Carcinoma in situ), Borderline-Tumoren und alle Hautkrebsformen außer dem malignen Melanom. Einzelne Tarife nehmen bestimmte Frühformen ausdrücklich als Teilleistungsposition auf.
Ist ein Schlaganfall immer versichert?
Nicht jeder Schlaganfall löst die volle Leistung aus. Die üblichen Definitionen verlangen, dass eine definierte neurologische Einschränkung – etwa Halbseitenlähmung, vollständiger Sprachverlust oder vollständiger Sehverlust auf einem Auge – länger als drei Monate ununterbrochen besteht. Ohne bleibende Folgen greift bei Tarifen mit Teilleistungssystematik ein reduzierter Anspruch. Transitorische ischämische Attacken sind ausgeschlossen.
Zählt ein Herzinfarkt unabhängig von der Schwere?
Versichert sind in der Regel sowohl STEMI als auch Non-STEMI. Für die volle Versicherungssumme verlangen die Bedingungen jedoch häufig einen dokumentierten Folgeschaden – bei der Nürnberger etwa eine über mehr als drei Monate bestehende Auswurfleistung der linken Herzkammer von unter 45 Prozent. Ohne diesen Nachweis wird eine Teilsumme von 50 Prozent geleistet, maximal 25.000 Euro. Angina pectoris ist nicht versichert.
Werden psychische Erkrankungen wie Depression abgedeckt?
Nein, psychische Erkrankungen finden sich praktisch nie im Dread-Disease-Katalog. Wer dieses Risiko absichern möchte, benötigt eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die an die Einschränkung der Berufsausübung anknüpft und nicht an eine Katalogdiagnose.
Gilt Diabetes als schwere Krankheit im Sinne der Police?
Das hängt vom Tarif ab. Der Zurich-Katalog führt Diabetes Typ 1 als Teilleistungsposition. In den übrigen Tarifen ist die Grunderkrankung nicht enthalten; erst schwere Folgeerkrankungen wie dialysepflichtiges Nierenversagen, Blindheit oder Amputationen können den Leistungsfall auslösen, sofern sie eigenständig aufgeführt sind.
Sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen versichert?
In einem Teil des Marktes ja. Der Zurich Eagle Star Krankheits-Schutzbrief führt schweren Morbus Crohn und Colitis ulcerosa als Teilleistungspositionen. In anderen Katalogen fehlen sie. Ein Blick in den konkreten Anhang des Bedingungswerks ist unerlässlich.
Gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestanzahl an Krankheiten?
Nein. Es existiert keine gesetzliche Vorgabe, wie viele oder welche Erkrankungen ein Katalog enthalten muss. Jeder Versicherer gestaltet ihn eigenverantwortlich. Deshalb unterscheiden sich die Angebote auf dem deutschen Markt in Umfang und Definitionsschärfe erheblich.
Sind Vorerkrankungen im Krankheitskatalog enthalten?
Erkrankungen, die vor Vertragsabschluss bereits bekannt waren, sind regelmäßig vom Versicherungsschutz ausgenommen. Sie stehen zwar im Katalog, führen aber nicht zur Leistung, wenn sie bereits vor Versicherungsbeginn diagnostiziert wurden. Individuelle Ausschlüsse stehen in Ihren persönlichen Vertragsunterlagen, nicht in den allgemeinen Bedingungen.
Gilt der Katalog auch für mitversicherte Kinder?
In der Regel ja, teils ergänzt um kindspezifische Diagnosen. Zurich versichert für mitversicherte Kinder zusätzlich Muskeldystrophie, Spina bifida, infantile Zerebralparese, Hydrozephalus und Verätzungen der Speiseröhre bereits ab Geburt. Für Kinder gelten häufig eigene Wartezeiten.
Wird der Katalog während der Vertragslaufzeit erweitert?
In der Regel nicht. Maßgeblich bleibt die Tarifgeneration, die Sie abgeschlossen haben. Was sich fortentwickelt, ist der medizinische Standard, auf den die Definitionen verweisen – die Bedingungen stellen regelmäßig auf die zum Zeitpunkt des Versicherungsfalls schulmedizinisch anerkannten Standards ab. Die Liste der versicherten Erkrankungen selbst wächst dadurch nicht mit.
Wie werden Folgeerkrankungen einer bereits versicherten Diagnose behandelt?
Die Bedingungen stellen meist auf die „erste Diagnose“ ab. Treten mehrere versicherte Erkrankungen gleichzeitig auf, wird die Leistung in der Regel nur einmal gezahlt; die Gothaer regelt das ausdrücklich. Ein zweiter Anspruch entsteht nur bei Tarifen mit Mehrfachleistung, Zweitschutz oder Multi-Pay-Option und dann typischerweise für eine andere Erkrankung, nicht für ein Rezidiv derselben.
Lohnt sich ein Tarif mit besonders vielen abgedeckten Krankheiten immer?
Nicht automatisch. Ein langer Katalog nutzt wenig, wenn die medizinischen Definitionen eng gefasst sind oder die zusätzlichen Positionen für Ihr persönliches Risiko kaum relevant sind. Aussagekräftiger sind die Teilleistungssystematik, die Definitionen der Volkskrankheiten und etwaige Altersgrenzen einzelner Positionen.
Fazit: Der Katalog entscheidet über Schutz und Leistung
Die Frage, welche Erkrankungen eine Dread-Disease-Police tatsächlich abdeckt, lässt sich nur anhand des konkreten Katalogs und seiner Definitionen beantworten. Qualität vor Quantität bleibt die zentrale Leitlinie: Ein Katalog mit präzisen Definitionen und breiter Teilleistungssystematik schützt im Ernstfall zuverlässiger als eine bloß lange Liste. Die Kernbereiche Tumorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologische Leiden finden sich in allen Tarifen – über den tatsächlichen Wert entscheiden Schweregradschwellen, Altersgrenzen einzelner Positionen, Wartezeiten und die Frage, was bei einem leichteren Verlauf passiert.
Nicht jeder Absicherungsbedarf muss über eine Dread-Disease-Versicherung gedeckt werden. Wer vor allem psychische oder orthopädische Risiken absichern will, ist mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung besser bedient; eine vorhandene BU oder eine gesicherte Beamtenversorgung verringert die Notwendigkeit spürbar. Umgekehrt schließt die Police genau dort eine Lücke, wo eine schwere Diagnose hohe Zusatzkosten verursacht, ohne dauerhafte Berufsunfähigkeit auszulösen. Eine Gegenüberstellung der aktuellen Tarife und ihrer Kataloge finden Sie in unserer Tarifübersicht.
In einer kostenlosen Erstberatung klären wir gemeinsam, welche Krankheiten für Ihre Absicherung priorisiert werden sollten und welcher Katalog wirklich passt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut: Krebs gesamt – Neuerkrankungen und Überlebensraten
- Deutsche Herzstiftung: Deutscher Herzbericht – Zahlen zu Herzinfarkt und koronarer Herzkrankheit
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Factsheets Schlaganfall in Deutschland
- MS-Register der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft: Aktuelle Daten zur Multiplen Sklerose
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Zahlen zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen
- Versicherungsbedingungen und Produktinformationen der Anbieter Zurich Life Assurance plc, Canada Life Assurance Europe plc, Nürnberger Lebensversicherung AG und Gothaer Lebensversicherung AG
