Herzinfarkt-Ursachen: Die wichtigsten Risikofaktoren auf einen Blick

Inhaltsverzeichnis

Für Betroffene kommt ein Herzinfarkt meist wie aus heiterem Himmel. Medizinisch betrachtet ist er das fast nie: Hinter dem plötzlichen Ereignis steht in der Regel ein Prozess, der sich über Jahre oder Jahrzehnte in den Herzkranzgefäßen abgespielt hat. Angetrieben wird er von Faktoren, die gut erforscht sind und von denen sich viele beeinflussen lassen.

Dieser Ratgeber erklärt verständlich, wie ein Herzinfarkt entsteht, welche Risikofaktoren dahinterstehen, welche weniger bekannten Faktoren inzwischen dazugezählt werden, was akute Auslöser von langfristigen Ursachen unterscheidet und wie Sie Ihr persönliches Risiko ärztlich einschätzen lassen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hauptursache Arteriosklerose: Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen reißen auf, ein Blutgerinnsel verschließt das Gefäß.
  • Großteil des Risikos ist beeinflussbar: Rauchen, Blutfette, Bluthochdruck, Diabetes, Bauchfett, Ernährung, Bewegung, Alkohol und psychische Belastung erklären laut der INTERHEART-Studie den Großteil des Infarktrisikos.
  • Nicht beeinflussbar: Alter, Geschlecht und familiäre Veranlagung, einschließlich eines erhöhten Lipoprotein(a)-Werts.
  • Auslöser sind nicht Ursachen: Starke Anstrengung, extreme Emotionen oder Infekte können einen Infarkt auslösen, meist aber nur bei bereits vorgeschädigten Gefäßen.
  • Die Summe zählt: Mehrere moderate Risikofaktoren zusammen können gefährlicher sein als ein einzelner stark erhöhter Wert.
  • Risiko messen statt schätzen: Der Check-up bei der Hausarztpraxis und Risikorechner wie SCORE2 ordnen das persönliche Risiko ein.

Wie entsteht ein Herzinfarkt?

Das Herz versorgt sich über eigene Blutgefäße, die Herzkranzgefäße (Koronararterien), mit Sauerstoff. Bei den meisten Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, sind diese Gefäße über Jahre durch Ablagerungen verändert. Fachleute sprechen von Arteriosklerose; betrifft sie die Herzkranzgefäße, von koronarer Herzkrankheit (KHK). In der Gefäßwand sammeln sich LDL-Cholesterin, Entzündungszellen, Bindegewebe und später auch Kalk an. Diese Ablagerungen heißen Plaques.

Der eigentliche Infarkt beginnt meist, wenn die dünne Deckschicht einer solchen Plaque einreißt oder aufbricht. Der Körper behandelt die Stelle wie eine Wunde: Blutplättchen lagern sich an, ein Blutgerinnsel (Thrombus) entsteht und verschließt das Gefäß ganz oder teilweise. Der Herzmuskel dahinter erhält keinen Sauerstoff mehr. Ohne schnelle Behandlung stirbt das Gewebe ab und wird durch Narbengewebe ersetzt, das nicht mehr mitpumpt.

Bemerkenswert ist: Gefährlich sind nicht nur hochgradige Engstellen. Auch eher kleine, aber entzündete Plaques mit dünner Deckschicht können aufreißen. Deshalb kann ein Infarkt auch Menschen treffen, die vorher kaum Beschwerden hatten. Wie schwer ein Infarkt ausfällt, hängt davon ab, welches Gefäß betroffen ist und wie schnell es wieder eröffnet wird. Mehr zu den Infarktformen lesen Sie im Ratgeber zu STEMI und NSTEMI.

Seltenere Ursachen

Ein kleiner Teil der Herzinfarkte entsteht auf anderem Weg, zum Beispiel durch:

  • Einriss der Gefäßwand (spontane Koronardissektion, SCAD): tritt vor allem bei jüngeren Frauen auf, auch rund um Schwangerschaft und Geburt.
  • Gefäßkrämpfe (Koronarspasmen): können unter anderem durch Kokain oder Amphetamine ausgelöst werden.
  • Verschleppte Blutgerinnsel (Embolien): etwa bei Vorhofflimmern.
  • Missverhältnis von Sauerstoffbedarf und -angebot: zum Beispiel bei starkem Blutverlust, sehr schnellen Rhythmusstörungen oder schwerem Infekt bei vorbestehender KHK. Mediziner sprechen dann von einem Typ-2-Infarkt.

Gerade bei jungen Betroffenen spielen solche Ursachen eine größere Rolle. Warum es zunehmend auch Menschen unter 40 trifft, beschreibt der Ratgeber Herzinfarkt mit 20, 30 oder 40.

Die wichtigsten Risikofaktoren im Überblick

Risikofaktoren lassen sich in zwei Gruppen einteilen: solche, die Sie beeinflussen können, und solche, die feststehen. Wie groß der beeinflussbare Anteil ist, zeigte die internationale INTERHEART-Studie, die 2004 im Fachjournal „The Lancet“ erschien. Sie verglich in 52 Ländern rund 15.000 Menschen mit einem ersten Herzinfarkt mit ähnlich vielen Menschen ohne Infarkt. Ergebnis: Neun beeinflussbare Faktoren erklärten über 90 Prozent des statistischen Infarktrisikos, und zwar bei Männern und Frauen, Jüngeren und Älteren und in allen Weltregionen.

Beeinflussbare Risikofaktoren

  • Rauchen: Einer der stärksten Risikofaktoren überhaupt. Schadstoffe aus dem Tabakrauch schädigen die Gefäßinnenhaut, fördern Entzündungen und Ablagerungen und machen das Blut gerinnungsfreudiger. Auch Passivrauchen erhöht das Risiko. Schon in den ersten Jahren nach dem Rauchstopp sinkt das Infarktrisiko deutlich.
  • Ungünstige Blutfette: Vor allem ein erhöhtes LDL-Cholesterin treibt die Plaquebildung direkt voran. Je länger und je höher der Wert erhöht ist, desto größer das Risiko. Hintergründe zu den Werten erklärt der Ratgeber Cholesterin und Herzinfarkt.
  • Bluthochdruck: Dauerhaft erhöhter Druck schädigt die Gefäßwände und beschleunigt die Arteriosklerose. Er verursacht meist keine Beschwerden und bleibt deshalb oft lange unentdeckt.
  • Diabetes mellitus: Dauerhaft erhöhter Blutzucker greift die Gefäße an. Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Infarktrisiko und erleiden häufiger stille Infarkte. Mehr dazu im Ratgeber Diabetes und Herzinfarkt.
  • Bauchfett und Übergewicht: Insbesondere Fett im Bauchraum fördert Entzündungen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes. Der Taillenumfang sagt oft mehr aus als das Körpergewicht allein.
  • Bewegungsmangel: Regelmäßige körperliche Aktivität senkt Blutdruck, Blutzucker und Gewicht und wirkt direkt schützend auf die Gefäße.
  • Ungünstige Ernährung: Wenig Obst und Gemüse, viel stark verarbeitete Lebensmittel, Salz, Zucker und gesättigte Fette wirken sich ungünstig auf Blutdruck, Gewicht und Blutfette aus.
  • Alkohol: Regelmäßiger und höherer Konsum erhöht Blutdruck und Risiko für Rhythmusstörungen. Eine schützende Wirkung von Alkohol gilt nach heutigem Wissensstand als nicht belegt.
  • Psychische Belastung: Chronischer Stress, Depression und soziale Isolation wirken über Stresshormone, Entzündungsprozesse und ungünstige Verhaltensweisen auf das Herz. Mehr dazu im Ratgeber Herzinfarkt durch Stress.

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren

Alter: Mit den Jahren nehmen Gefäßveränderungen zu. Das Risiko steigt bei Männern etwa ab Mitte 40 und bei Frauen vor allem nach den Wechseljahren deutlich an.

Geschlecht: Männer erkranken im Durchschnitt früher. Bei Frauen wird ein Infarkt dagegen häufiger übersehen, weil die Beschwerden oft weniger typisch sind.

Familiäre Veranlagung: Hatte ein Verwandter ersten Grades früh eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, also Vater oder Bruder vor dem 55. oder Mutter oder Schwester vor dem 65. Lebensjahr, ist das eigene Risiko erhöht. Teilweise steckt dahinter eine erblich bedingte Fettstoffwechselstörung, etwa eine familiäre Hypercholesterinämie mit von Geburt an stark erhöhtem LDL-Cholesterin.

Lipoprotein(a): Dieser Blutfettwert wird überwiegend vererbt und lässt sich durch Lebensstil kaum beeinflussen. Ein deutlich erhöhter Lp(a)-Wert steigert das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Europäische Fachgesellschaften empfehlen, ihn mindestens einmal im Leben zu bestimmen. Ein erhöhter Wert ist ein Grund, die übrigen Risikofaktoren besonders konsequent zu behandeln.

Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhen können

Neben den klassischen Risikofaktoren kennt die Medizin weitere Erkrankungen und Lebensumstände, die das Infarktrisiko steigern können:

  • Chronische Nierenerkrankung
  • Chronisch-entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Schuppenflechte oder Lupus
  • Unbehandelte Schlafapnoe und dauerhaft zu wenig Schlaf
  • Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Schwangerschaftshochdruck oder Schwangerschaftsdiabetes, außerdem frühe Wechseljahre
  • Bestimmte Krebstherapien, etwa Bestrahlung im Brustbereich oder einige Chemotherapien
  • Drogen, insbesondere Kokain und Amphetamine
  • Dauerhafte Einnahme bestimmter Schmerzmittel aus der NSAR-Gruppe; mehr dazu im Ratgeber Voltaren, Ibuprofen und Herzinfarkt
  • Soziale Faktoren wie Einsamkeit, Schichtarbeit oder anhaltende finanzielle Sorgen
Herzinfarkt-Risikofaktoren: beeinflussbar oder nicht?
Risikofaktor Beeinflussbar? Was hilft
Rauchen Ja Rauchstopp, bei Bedarf mit ärztlicher Unterstützung und Entwöhnungsprogrammen
Bluthochdruck Ja Regelmäßig messen, Salz reduzieren, Bewegung, bei Bedarf Medikamente
Hohes LDL-Cholesterin Weitgehend Ernährung, Bewegung, bei erhöhtem Risiko medikamentöse Therapie
Diabetes Teilweise Gute Blutzuckereinstellung, Gewichtskontrolle, Bewegung
Bauchfett, Bewegungsmangel Ja Regelmäßige Ausdaueraktivität, ausgewogene Ernährung
Psychische Belastung Teilweise Stressabbau, soziale Kontakte, ausreichend Schlaf, bei Bedarf professionelle Hilfe
Alter, Geschlecht, Vererbung, Lp(a) Nein Umso wichtiger: übrige Faktoren konsequent kontrollieren

Entscheidend ist die Summe. Ein einzelner leicht erhöhter Wert ist selten dramatisch. Treffen jedoch mehrere Faktoren zusammen, etwa Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes, steigt das Risiko nicht nur additiv, sondern vervielfacht sich. Deshalb lohnt es sich, nicht auf einzelne Werte zu schauen, sondern das Gesamtbild ärztlich beurteilen zu lassen.

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Auslöser für einen Herzinfarkt: Was akut zum Infarkt führen kann

Risikofaktoren und Auslöser werden häufig verwechselt. Die Risikofaktoren bereiten über Jahre den Boden, indem sie die Gefäße schädigen. Auslöser sind dagegen akute Ereignisse, die in einem bereits erkrankten Gefäßsystem den letzten Anstoß geben können, meist indem sie Blutdruck, Herzfrequenz, Gerinnungsneigung oder Entzündungsaktivität kurzfristig erhöhen.

  • Ungewohnte starke körperliche Belastung: Der Klassiker ist Schneeschippen bei Kälte oder eine plötzliche Maximalanstrengung ohne Training.
  • Emotionaler Ausnahmezustand: Heftiger Ärger, ein Schock oder große Trauer setzen Stresshormone frei, die eine instabile Plaque zum Reißen bringen können.
  • Schwere Infektionen: Grippe, Lungenentzündung oder andere ausgeprägte Infekte erhöhen Entzündungsaktivität und Gerinnungsneigung. Besonders in den ersten Tagen nach einer Grippe ist das Infarktrisiko messbar erhöht. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die jährliche Grippeimpfung unter anderem Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und allen ab 60 Jahren.
  • Kälte und Hitze: Kälte verengt die Gefäße und erhöht den Blutdruck, Hitze belastet den Kreislauf und kann über Flüssigkeitsverlust die Gerinnung fördern.
  • Drogen: Kokain kann selbst bei jungen Menschen ohne klassische Risikofaktoren einen Infarkt auslösen, weil es Herzkranzgefäße krampfartig verengt und die Gerinnung anregt.
  • Üppige Mahlzeiten und Alkoholexzesse: können den Kreislauf zusätzlich belasten.

Vom Herzinfarkt abzugrenzen ist das sogenannte Broken-Heart-Syndrom (Takotsubo-Syndrom). Es wird häufig durch extreme emotionale oder körperliche Belastung ausgelöst und ähnelt in Beschwerden und EKG einem Infarkt, ohne dass ein Herzkranzgefäß verschlossen ist. Da es im Notfall nicht von einem Infarkt zu unterscheiden ist, gilt auch hier: sofort die 112.

Entscheidend ist: Der Auslöser ist der Funke, nicht das Pulverfass. Wer gesunde Herzkranzgefäße hat, dem kann eine kalte Winternacht oder ein heftiger Streit herzgesundheitlich wenig anhaben. Die eigentliche Gefahr liegt in der jahrelangen Gefäßschädigung, und genau dort setzt Vorbeugung an.

Herzinfarkt-Risiko bestimmen: So lässt es sich einschätzen

Einen einzelnen Test, der das Herzinfarkt-Risiko zuverlässig vorhersagt, gibt es nicht. Ärztinnen und Ärzte können Ihr Risiko aber mit etablierten Verfahren systematisch einschätzen.

Der Check-up bei der Hausarztpraxis

Die wichtigste Grundlage ist der Gesundheits-Check-up, den gesetzlich Versicherte laut Bundesgesundheitsministerium zwischen 18 und 34 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre in Anspruch nehmen können. Er umfasst unter anderem eine Befragung zu Risikofaktoren und Familiengeschichte, die Messung des Blutdrucks sowie ab 35 Jahren eine Blutuntersuchung mit Blutfetten und Blutzucker, also genau die Werte, die das Infarktrisiko maßgeblich bestimmen.

Risikorechner: SCORE2 und Co.

Aus Alter, Geschlecht, Blutdruck, Cholesterinwerten und Raucherstatus lässt sich das Risiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis in den nächsten zehn Jahren berechnen. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt dafür die Rechner SCORE2 und SCORE2-OP für ältere Menschen. In Deutschland wird teilweise auch der PROCAM-Score verwendet. Wichtig: Solche Rechner gelten für Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung. Wer bereits einen Infarkt hatte oder etwa Diabetes mit Organschäden hat, gehört ohnehin zu einer Hochrisikogruppe.

Weiterführende Untersuchungen

Je nach Ergebnis und Beschwerden können weitere Untersuchungen sinnvoll sein:

  • Langzeit-Blutdruckmessung: zeigt, ob der Blutdruck auch außerhalb der Praxis erhöht ist. Was Puls und Blutdruck beim akuten Infarkt verraten, erläutert der Ratgeber zu Puls und Blutdruck beim Herzinfarkt.
  • Lipoprotein(a) und erweiterte Blutfettwerte: vor allem bei familiärer Vorbelastung.
  • Kalk-Score (Calcium-Scoring) per CT: eine CT-Aufnahme ohne Kontrastmittel, die die Verkalkung der Herzkranzgefäße misst und bei unklarem Risiko helfen kann, es genauer einzuordnen. Ohne konkrete Beschwerden ist sie meist eine Selbstzahlerleistung.
  • Belastungs-EKG, Herzultraschall oder Koronar-CT mit Kontrastmittel: kommen vor allem bei Beschwerden oder dem Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit infrage.

Online-Tests zum Herzinfarkt-Risiko können eine erste Orientierung geben, sind aber nur so genau wie die eingegebenen Werte. Wer Blutdruck oder Cholesterin nur schätzt, erhält ein verzerrtes Ergebnis. Nutzen Sie solche Tests als Anstoß für den Check-up, nicht als Ersatz.

Besondere Konstellationen: Frauen, Männer und stille Infarkte

Bei Frauen spielen zusätzliche Faktoren eine Rolle, die lange unterschätzt wurden: Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes, frühe Wechseljahre und bestimmte Autoimmunerkrankungen erhöhen das spätere Risiko. Zudem äußert sich ein Infarkt bei Frauen häufiger durch Atemnot, Übelkeit, Rückenschmerzen oder ungewohnte Erschöpfung. Die Besonderheiten erläutern die Ratgeber zu Herzinfarkt-Symptomen bei Frauen und zu den typischen Anzeichen bei Männern.

Eine weitere Sonderform ist der stille Herzinfarkt, der ohne deutliche Beschwerden verläuft und oft erst später zufällig im EKG auffällt. Besonders häufig betrifft er Menschen mit Diabetes, bei denen Nervenschäden die Schmerzwahrnehmung verändern können. Mehr dazu im Artikel zum stillen Herzinfarkt.

Häufig kündigt sich ein Infarkt aber auch Tage oder Wochen vorher an: neu auftretende Brustenge bei Belastung, ungewöhnliche Erschöpfung oder anfallsweise Engegefühle. Diese Frühwarnsignale des Herzinfarkts sollten ärztlich abgeklärt werden. Bei anhaltenden Brustschmerzen, Atemnot und kaltem Schweiß gilt: sofort die 112.

Vorbeugen: Wo Sie am meisten erreichen

Weil der größte Teil des Risikos beeinflussbar ist, lohnt sich Vorbeugung in jedem Alter. Die wirksamsten Schritte sind meist unspektakulär:

  1. Nicht rauchen oder so früh wie möglich aufhören, gegebenenfalls mit ärztlicher Unterstützung.
  2. Werte kennen: Blutdruck, LDL-Cholesterin und Blutzucker regelmäßig messen lassen und bei Bedarf konsequent behandeln.
  3. Bewegen: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
  4. Ausgewogen essen: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und pflanzliche Öle, wenig stark verarbeitete Lebensmittel, Salz und Zucker.
  5. Alkohol begrenzen und auf Drogen verzichten.
  6. Auf Schlaf und Psyche achten: Stress abbauen, soziale Kontakte pflegen und bei anhaltender Niedergeschlagenheit Hilfe suchen.
  7. Impfschutz prüfen: etwa die Grippeimpfung, wenn sie für Sie empfohlen ist.

ASS zur Vorbeugung ist für Gesunde dagegen in der Regel nicht empfohlen, weil das Blutungsrisiko den Nutzen meist überwiegt. Warum, erklärt der Ratgeber Aspirin bei Herzinfarkt. Weitere Informationen zur Vorbeugung bietet die Deutsche Herzstiftung.

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Risiko kennen und finanziell vorsorgen

Wer sich mit den eigenen Risikofaktoren beschäftigt, denkt oft auch an die finanziellen Folgen. Die meisten Menschen überleben heute einen Herzinfarkt. Danach folgen jedoch häufig Reha, Medikamente, eine längere Arbeitsunfähigkeit und manchmal Einschränkungen im Beruf. Krankengeld und eine mögliche Erwerbsminderungsrente gleichen den Einkommensverlust meist nur teilweise aus.

Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung, auch Dread-Disease-Versicherung genannt, kann bei einem im Vertrag definierten Herzinfarkt eine vereinbarte Einmalleistung auszahlen, unabhängig davon, ob Sie weiterarbeiten können. Worauf es dabei ankommt, zeigt der Ratgeber zur Absicherung von Herzinfarkt und Schlaganfall. Gerade wer bereits Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes hat, sollte vor einem Antrag eine anonyme Risikovoranfrage stellen lassen. Je nach Anbieter können solche Vorerkrankungen zu Zuschlägen, Ausschlüssen oder Ablehnungen führen. Die Voranfrage klärt die Konditionen, bevor ein offizieller Antrag gestellt wird, denn eine frühere Ablehnung muss bei späteren Anträgen oft angegeben werden.

Eine solche Police ist nicht für jede Lebenssituation die richtige Lösung. Sie ergänzt eine Berufsunfähigkeitsversicherung, ersetzt sie aber nicht. Wer den Beitrag nur unter Verzicht auf Notwendiges stemmen könnte, sollte zuerst die finanziellen Grundlagen klären. Ob sich der Schutz für Sie lohnt, beleuchtet der Beitrag Ist eine Schwere-Krankheiten-Versicherung sinnvoll? ausgewogen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt?

In den allermeisten Fällen liegt eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße zugrunde. Reißt eine Ablagerung in der Gefäßwand auf, bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verschließt. Seltenere Ursachen sind etwa ein Einriss der Gefäßwand, Gefäßkrämpfe oder verschleppte Blutgerinnsel.

Kann man trotz gesunder Lebensweise einen Herzinfarkt bekommen?

Ja, auch wenn das Risiko deutlich sinkt. Eine gesunde Lebensweise beeinflusst die steuerbaren Faktoren, nicht aber Alter, Geschlecht und erbliche Faktoren wie ein erhöhtes Lipoprotein(a) oder eine familiäre Hypercholesterinämie. Auch seltene Ursachen wie ein Einriss der Gefäßwand können eine Rolle spielen. Gesund leben senkt das Risiko erheblich, auf null bringt es niemand.

Wie stark erhöht eine familiäre Vorbelastung mein Risiko?

Als relevante familiäre Vorbelastung gilt eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Vater oder Bruder vor dem 55. oder bei Mutter oder Schwester vor dem 65. Lebensjahr. Sie erhöht das eigene Risiko spürbar. Umso wichtiger ist es, Blutdruck, Blutfette einschließlich Lipoprotein(a) und Blutzucker kontrollieren zu lassen und nicht zu rauchen. Erwähnen Sie die Familiengeschichte beim Check-up.

Kann Stress allein einen Herzinfarkt auslösen?

Bei gesunden Herzkranzgefäßen ist das sehr unwahrscheinlich. Akuter schwerer Stress kann jedoch bei bereits vorhandenen Ablagerungen eine instabile Plaque zum Reißen bringen. Chronischer Stress wirkt zusätzlich indirekt, indem er Blutdruck und Entzündungswerte erhöht und ungesunde Verhaltensweisen begünstigt. Extremer Stress kann außerdem ein Broken-Heart-Syndrom auslösen, das einem Infarkt ähnelt.

Ab welchem Alter sollte ich mein Infarktrisiko untersuchen lassen?

Gesetzlich Versicherte können zwischen 18 und 34 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre einen Check-up in Anspruch nehmen, ab 35 mit Blutfetten und Blutzucker. Bei familiärer Vorbelastung oder Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder Bluthochdruck ist es sinnvoll, frühzeitig mit der Hausarztpraxis über Kontrollen zu sprechen.

Was ist Lipoprotein(a) und sollte ich es messen lassen?

Lipoprotein(a) ist ein überwiegend erblich bestimmter Blutfettwert. Ein deutlich erhöhter Wert steigert das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall und lässt sich durch Lebensstil kaum senken. Europäische Fachgesellschaften empfehlen, ihn mindestens einmal im Leben zu bestimmen, besonders bei familiärer Vorbelastung. Ein erhöhter Wert ist ein Anlass, die übrigen Risikofaktoren besonders konsequent zu behandeln.

Bringt ein Online-Risikotest für den Herzinfarkt etwas?

Als erste Orientierung ja, als verlässliche Aussage nein. Solche Tests arbeiten nur mit den Angaben, die Sie selbst machen. Wer Blutdruck oder Cholesterin nicht kennt und schätzt, erhält ein verzerrtes Ergebnis. Belastbar ist eine Einschätzung auf Basis gemessener Werte, etwa im Rahmen des ärztlichen Check-ups mit einem Rechner wie SCORE2.

Senkt ein Rauchstopp das Risiko wirklich so schnell?

Ja. Schon in den ersten Jahren nach dem Rauchstopp sinkt das Herzinfarkt-Risiko deutlich und nähert sich langfristig dem von Nichtrauchenden an. Kaum eine andere Einzelmaßnahme hat einen vergleichbar großen Effekt. Unterstützung bieten Hausarztpraxis, Entwöhnungsprogramme und Beratungsangebote.

Fazit: Viele Risikofaktoren sind bekannt und steuerbar

Ein Herzinfarkt ist meist das Ende eines langen Prozesses: Arteriosklerose verändert die Herzkranzgefäße, bis eine Ablagerung aufreißt und ein Gerinnsel das Gefäß verschließt. Rauchen, ungünstige Blutfette, Bluthochdruck, Diabetes, Bauchfett, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkohol und psychische Belastung erklären den Großteil des Risikos, und viele davon lassen sich beeinflussen. Akute Auslöser wie starke Anstrengung, extreme Emotionen oder Infekte gefährden vor allem Menschen, deren Gefäße bereits geschädigt sind. Der wichtigste nächste Schritt: den Check-up wahrnehmen und das persönliche Risiko anhand gemessener Werte ärztlich einordnen lassen.

Parallel lohnt ein Blick auf die finanzielle Vorsorge, solange Sie gesund sind. Bei bestehenden Risikofaktoren ist eine anonyme Risikovoranfrage meist der bessere Weg als ein direkter Antrag. Welche Tarife für eine Schwere-Krankheiten-Versicherung infrage kommen, zeigt unsere Tarifübersicht.

Anonyme Risikovoranfrage anfragen

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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie Ihr persönliches Risiko ärztlich einschätzen und beginnen oder beenden Sie Medikamente nicht ohne Rücksprache. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie sofort den Notruf 112. Die Hinweise zur Absicherung ersetzen keine individuelle Versicherungsberatung. Stand: 2026.