Stent nach Herzinfarkt: Ablauf der Implantation, Risiken und Leben danach

Inhaltsverzeichnis

Nur wenige Millimeter im Durchmesser, gefertigt aus einem feinen Metallgeflecht und mit einem Medikament beschichtet: Ein Stent ist ein unscheinbares Implantat mit großer Wirkung. Bei einem Herzinfarkt hält er das wieder eröffnete Herzkranzgefäß offen und sorgt dafür, dass der Herzmuskel erneut mit Blut versorgt wird. Für viele Betroffene ist er der Grund, warum sie wenige Tage nach dem Notfall wieder nach Hause gehen können.

Doch mit dem Eingriff beginnt auch eine neue Phase: Medikamente müssen zuverlässig eingenommen, Warnzeichen erkannt und Kontrolltermine wahrgenommen werden. Dieser Ratgeber erklärt, wann ein Stent gesetzt wird, wie die Implantation abläuft, welche Stent-Arten es gibt, welche Risiken bestehen und worauf es in den ersten Wochen und Monaten danach ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Standard beim Infarkt: Beim ST-Hebungsinfarkt wird das verschlossene Gefäß möglichst sofort per Herzkatheter, Ballon und Stent wieder geöffnet.
  • Minimalinvasiv: Der Eingriff erfolgt über eine Arterie am Handgelenk oder in der Leiste, bei Bewusstsein und unter örtlicher Betäubung.
  • Medikamentenbeschichtet: Heute werden fast ausschließlich medikamentenfreisetzende Stents verwendet, die eine erneute Verengung deutlich seltener machen.
  • Zwei Risiken unterscheiden: Die seltene, aber gefährliche Stentthrombose (plötzlicher Verschluss) und die Restenose (langsame Wiederverengung).
  • Plättchenhemmer sind Pflicht: Nach einem Infarkt meist zwölf Monate zwei Plättchenhemmer, danach in der Regel einer dauerhaft. Nie eigenmächtig absetzen.
  • Der Stent bleibt: Er wächst ein, wird nicht gespürt und muss nicht entfernt werden.

Wann ein Stent nach Herzinfarkt gesetzt wird

Bei den meisten Herzinfarkten reißt eine Ablagerung (Plaque) in einem Herzkranzgefäß auf, und ein Blutgerinnsel verschließt das Gefäß ganz oder teilweise. Der Herzmuskel dahinter erhält keinen Sauerstoff mehr und beginnt abzusterben. Je schneller das Gefäß wieder durchgängig ist, desto mehr Herzmuskel bleibt erhalten.

Beim ST-Hebungsinfarkt (STEMI), der meist auf einem kompletten Verschluss beruht, ist die sofortige Herzkatheter-Behandlung mit Stent die Therapie der Wahl. Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zum akuten Koronarsyndrom empfiehlt sie, wenn das Gefäß voraussichtlich innerhalb von 120 Minuten nach der Diagnose im EKG wieder eröffnet werden kann; Kliniken streben deutlich kürzere Zeiten an. Beim Infarkt ohne ST-Hebung (NSTEMI) richtet sich der Zeitpunkt nach dem individuellen Risiko und reicht von sofort bis zu einigen Tagen. Wie die gesamte Akutversorgung von der Notaufnahme bis zur Intensivstation abläuft, beschreibt unser Ratgeber zum akuten Herzinfarkt im Krankenhaus.

Nicht immer ist ein Stent die beste Lösung. Sind alle drei großen Herzkranzgefäße oder der Hauptstamm stark verändert, kann eine Bypass-Operation langfristig günstiger sein. Darüber berät ein Team aus Kardiologen und Herzchirurgen. Mehr dazu im Beitrag zur Bypass-Operation bei Herzinfarkt.

Entscheidend für den Erfolg ist, dass zwischen den ersten Beschwerden und dem Eingriff möglichst wenig Zeit vergeht. Wer die Symptome eines Herzinfarkts rechtzeitig erkennt und sofort die 112 wählt, gewinnt wertvolle Minuten. Das gilt besonders für Frauen, bei denen sich ein Infarkt häufiger durch untypische Symptome wie Atemnot, Übelkeit oder Erschöpfung äußert.

Die Stent-Implantation Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

Im akuten Infarkt bleibt kaum Zeit für Vorbereitung: Das EKG zeigt den Infarkt, Blut für den Troponin-Test wird abgenommen, und Medikamente wie ASS und Heparin bremsen das Gerinnsel. Beim eindeutigen STEMI geht es ohne Warten auf Laborwerte direkt ins Herzkatheterlabor. Teilen Sie dem Team, wenn möglich, mit, welche Medikamente Sie einnehmen, insbesondere Gerinnungshemmer, und ob Sie eine Allergie gegen Kontrastmittel oder eine Nierenerkrankung haben.

Der Zugang: Handgelenk oder Leiste

Heute wird der Katheter meist über die Arterie am Handgelenk (Arteria radialis) eingeführt. Die ESC-Leitlinie bevorzugt diesen Weg, weil er seltener zu Blutungen führt und Patienten schneller wieder aufstehen können. Ist der Weg über das Handgelenk nicht möglich, erfolgt der Zugang über die Leistenarterie. Die Einstichstelle wird örtlich betäubt; eine Vollnarkose ist in der Regel nicht nötig.

Der eigentliche Eingriff

  1. Gefäßdarstellung: Über eine kleine Schleuse wird ein dünner Katheter bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Kontrastmittel macht unter Röntgendurchleuchtung sichtbar, wo das Gefäß verschlossen oder verengt ist.
  2. Führungsdraht: Ein hauchdünner Draht wird durch den Verschluss geschoben. Er dient als Schiene für alle weiteren Instrumente.
  3. Ballondehnung: Ein kleiner Ballon wird an die Engstelle gebracht und aufgedehnt. Dabei werden Gerinnsel und Ablagerungen an die Gefäßwand gedrückt.
  4. Stent-Platzierung: Der zusammengefaltete Stent sitzt auf einem weiteren Ballon. Wird dieser aufgedehnt, entfaltet sich der Stent und drückt sich in die Gefäßwand. Der Ballon wird entfernt, der Stent bleibt.
  5. Kontrolle: Eine erneute Kontrastmittelgabe zeigt, ob das Blut wieder ungehindert fließt. Bei Bedarf wird mit Ultraschall oder optischer Bildgebung aus dem Gefäßinneren geprüft, ob der Stent optimal anliegt.

Die Dauer ist sehr unterschiedlich: Ein einfacher Eingriff kann in weniger als einer Stunde abgeschlossen sein, bei mehreren Engstellen oder komplexen Befunden dauert er länger. Schmerzhaft ist das Vorschieben des Katheters nicht, weil die Gefäßinnenwände keine Schmerzrezeptoren besitzen. Beim Aufdehnen des Ballons spüren manche Patienten kurz ein Druckgefühl in der Brust, ähnlich den Infarktbeschwerden.

Mehrere verengte Gefäße

Häufig zeigt die Untersuchung, dass neben dem Infarktgefäß weitere Herzkranzgefäße verengt sind. Im Akutfall wird zunächst das für den Infarkt verantwortliche Gefäß behandelt. Weitere bedeutsame Engstellen werden je nach Befund im selben Eingriff oder in einem zweiten Termin während des Klinikaufenthalts oder kurz danach versorgt.

Die ersten Stunden danach

Nach dem Eingriff wird die Schleuse entfernt. Am Handgelenk legt das Team ein spezielles Druckarmband an, das schrittweise gelockert wird; der Arm sollte einige Stunden geschont werden. Nach einem Zugang über die Leiste wird die Einstichstelle mit einem Verschlusssystem oder einem Druckverband versorgt, und Patienten müssen meist einige Stunden flach liegen. Herzrhythmus, Blutdruck und Puls werden fortlaufend überwacht. Puls und Blutdruck geben dem Team dabei wichtige Hinweise, ob sich der Kreislauf stabilisiert.

Welche Stent-Arten gibt es?

Die Stent-Technik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark weiterentwickelt. Wer seinen Entlassbrief liest, stößt oft auf Abkürzungen wie DES oder DCB. Die folgende Übersicht erklärt die wichtigsten Begriffe:

Stent-Arten und verwandte Verfahren im Überblick
Typ Prinzip Stellenwert heute
Medikamentenfreisetzender Stent (DES, „drug-eluting stent“) Metallgerüst mit Beschichtung, die über Wochen bis Monate einen Wirkstoff gegen überschießendes Gewebewachstum abgibt Standard: Die ESC-Leitlinien empfehlen DES für nahezu alle Stent-Behandlungen
Unbeschichteter Metallstent (BMS, „bare-metal stent“) Reines Metallgerüst ohne Medikament Weitgehend abgelöst, weil sich das Gefäß häufiger wieder verengt
Bioresorbierbare Gefäßstütze („Scaffold“) Löst sich über Jahre auf Nach enttäuschenden Studienergebnissen derzeit kein Standard in der Routine
Medikamentenbeschichteter Ballon (DCB, „drug-coated balloon“) Ballon gibt beim Aufdehnen einen Wirkstoff an die Gefäßwand ab, ohne dass ein Stent zurückbleibt Unter anderem bei erneuter Verengung in einem bereits liegenden Stent und bei sehr kleinen Gefäßen

Moderne Stents sind in der Regel sogenannt bedingt MRT-sicher („MR conditional“). Untersuchungen im Magnetresonanztomografen sind damit unter Beachtung der Herstellerangaben meist möglich, häufig auch schon kurz nach der Implantation. Informieren Sie die Radiologie aber immer über Ihren Stent und legen Sie Ihren Implantat- bzw. Stentausweis vor, den Sie nach dem Eingriff in der Regel erhalten.

Risiken und Komplikationen

Die Stent-Implantation gehört zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen in der Kardiologie und ist bei geplanten Eingriffen insgesamt komplikationsarm. Im Rahmen eines akuten Herzinfarkts ist das Risiko höher, weil der Kreislauf bereits belastet sein kann und schnell gehandelt werden muss. Über die individuellen Risiken klärt das Behandlungsteam vor geplanten Eingriffen auf; im Notfall erfolgt die Aufklärung so weit wie möglich, oft verkürzt.

Komplikationen rund um den Eingriff

  • Blutungen und Blutergüsse an der Einstichstelle, beim Zugang über die Leiste häufiger als am Handgelenk
  • Gefäßverletzungen an der Punktionsstelle, etwa eine Aussackung der Arterie, die selten behandelt werden muss
  • Herzrhythmusstörungen während oder kurz nach dem Eingriff
  • Reaktionen auf das Kontrastmittel, von Hautausschlag bis in sehr seltenen Fällen zu einer schweren allergischen Reaktion
  • Verschlechterung der Nierenfunktion durch das Kontrastmittel, vor allem bei vorgeschädigten Nieren oder Diabetes
  • Seltene schwere Komplikationen wie ein Einriss des Herzkranzgefäßes, ein Schlaganfall oder ein erneuter Infarkt während des Eingriffs

Stentthrombose und Restenose: zwei verschiedene Probleme

Nach der Implantation gibt es zwei Risiken, die oft verwechselt werden, aber ganz unterschiedlich verlaufen:

Stentthrombose und Restenose im Vergleich
Merkmal Stentthrombose Restenose
Was passiert Ein Blutgerinnsel verschließt den Stent plötzlich Gewebe wächst im Stent nach und verengt ihn langsam
Wann Vor allem in den ersten Tagen und Wochen, selten auch später Meist innerhalb der ersten Monate
Beschwerden Wie bei einem Herzinfarkt, oft ein Notfall Allmählich zunehmende Brustenge bei Belastung
Häufigkeit Selten Mit modernen beschichteten Stents deutlich seltener als früher
Wichtigster Schutz Zuverlässige Einnahme der Plättchenhemmer Beschichteter Stent, gute Einstellung der Risikofaktoren
Behandlung Sofort 112, erneute Katheter-Behandlung Geplante Katheter-Untersuchung, z. B. mit beschichtetem Ballon oder weiterem Stent

Ein vorzeitiges Absetzen der Plättchenhemmer gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für eine Stentthrombose. Deshalb gilt: Brustschmerzen, die denen beim Infarkt ähneln, sind auch mit Stent immer ein Grund, sofort die 112 zu wählen. Auch untypische Begleitsymptome wie plötzliche Atemnot, Übelkeit oder kalter Schweiß sollten ernst genommen werden.

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Stent nach Herzinfarkt oder geplanter Stent: die Unterschiede

Nicht jeder Stent wird im Notfall gesetzt. Bei einer stabilen koronaren Herzkrankheit ohne akuten Infarkt wird ein Stent geplant eingesetzt, wenn eine bedeutsame Verengung Beschwerden verursacht. Wichtig zu wissen: In dieser stabilen Situation lindert ein Stent vor allem Beschwerden wie Brustenge bei Belastung. Einen Überlebensvorteil gegenüber einer guten medikamentösen Therapie zeigen große Studien für die meisten Betroffenen nicht. Ein Patientenblatt der Nationalen VersorgungsLeitlinie KHK stellt die Vor- und Nachteile verständlich gegenüber. Beim akuten Infarkt ist das anders: Hier rettet die schnelle Wiedereröffnung Herzmuskel und Leben.

Akuter und geplanter Stent-Eingriff im Vergleich
Kriterium Stent nach Herzinfarkt (akut) Stent ohne Herzinfarkt (geplant)
Anlass Notfall mit verschlossenem oder hochgradig verengtem Gefäß Beschwerden durch eine Verengung bei stabiler KHK
Hauptziel Herzmuskel retten, Leben retten Beschwerden lindern, Belastbarkeit verbessern
Zeitpunkt Beim STEMI sofort, beim NSTEMI je nach Risiko Geplanter Termin
Krankenhausaufenthalt Oft wenige Tage bis etwa eine Woche, bei Komplikationen länger Oft eine Nacht, teils am selben Tag nach Hause
Doppelte Plättchenhemmung Standardmäßig zwölf Monate, individuell anpassbar In der Regel sechs Monate, individuell anpassbar
Reha Anschlussrehabilitation meist empfohlen In der Regel nicht vorgesehen, im Einzelfall möglich

Auch nach einem vermeintlich leichten Herzinfarkt ist ein mehrtägiger Aufenthalt sinnvoll, weil Rhythmusstörungen und andere Komplikationen in den ersten Tagen am häufigsten auftreten. Beim stillen Herzinfarkt, der erst nachträglich entdeckt wird, kann ein Stent ebenfalls infrage kommen, dann aber meist geplant und nach weiterer Abklärung.

Medikamente nach der Stent-Implantation

Doppelte Plättchenhemmung

Ein frisch eingesetzter Stent ist für das Blut zunächst ein Fremdkörper, an dem sich Blutplättchen anlagern können. Bis er vollständig von körpereigenen Zellen überzogen ist, braucht er deshalb besonderen Schutz. Dafür nehmen Betroffene zwei Plättchenhemmer gleichzeitig ein: Acetylsalicylsäure (ASS) und einen sogenannten P2Y12-Hemmer wie Prasugrel, Ticagrelor oder Clopidogrel.

Nach einem Herzinfarkt dauert diese duale Plättchenhemmung laut ESC-Leitlinie standardmäßig zwölf Monate. Bei geplanten Stents wegen stabiler KHK sieht die ESC-Leitlinie zum chronischen Koronarsyndrom in der Regel sechs Monate vor. Bei hohem Blutungsrisiko kann die Dauer verkürzt werden; danach wird meist ein Plättchenhemmer dauerhaft weitergegeben. Die genaue Strategie legt immer die Kardiologin oder der Kardiologe fest.

Was Sie im Alltag beachten sollten

  • Nicht eigenmächtig absetzen oder pausieren: Auch nicht bei Magenbeschwerden, Nasenbluten oder vor einer Zahnbehandlung. Sprechen Sie zuerst mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen.
  • Operationen und Zahnbehandlungen: Weisen Sie immer auf Stent und Plättchenhemmer hin. Viele kleinere Eingriffe sind unter laufender Therapie möglich; über eine Pause entscheiden Kardiologe und operierender Arzt gemeinsam.
  • Vorsicht bei Schmerzmitteln: Bestimmte rezeptfreie Schmerzmittel erhöhen das Blutungsrisiko. Mehr dazu im Ratgeber Voltaren, Ibuprofen und Herzinfarkt.
  • Blaue Flecken: Leichtere Blutergüsse oder längeres Nachbluten kleiner Wunden sind unter Plättchenhemmern häufig. Starke oder ungewöhnliche Blutungen, etwa schwarzer Stuhl oder Blut im Urin, sollten Sie ärztlich abklären lassen.
  • Vorrat im Blick behalten: Achten Sie rechtzeitig auf Folgerezepte, besonders vor Urlauben.

Neben den Plättchenhemmern gehören nach einem Infarkt meist ein Statin und je nach Befund weitere Medikamente wie Betablocker oder ACE-Hemmer zur Therapie. Für das LDL-Cholesterin gelten nach einem Infarkt besonders niedrige Zielwerte; Hintergründe erklärt der Ratgeber Cholesterin und Herzinfarkt.

Die ersten Wochen nach dem Stent

Anschlussreha

Nach einem Herzinfarkt mit Stent folgt in der Regel eine Anschlussrehabilitation. Laut Deutscher Rentenversicherung beginnt sie unmittelbar, spätestens zwei Wochen nach der Entlassung, dauert in der Regel drei Wochen und kann stationär oder ganztägig ambulant stattfinden. Der Antrag wird meist schon im Krankenhaus über den Sozialdienst gestellt. In der Reha lernen Betroffene, ihre Belastbarkeit unter Anleitung schrittweise zu steigern, und erhalten Schulungen zu Medikamenten, Ernährung und Warnzeichen.

Belastung, Sport und Alltag

Bewegung ist nach einem Stent nicht verboten, sondern ausdrücklich erwünscht. Die Belastung sollte jedoch schrittweise und nach ärztlicher Rücksprache gesteigert werden, idealerweise auf Basis eines Belastungstests in der Reha. Die Einstichstelle sollte in den ersten Tagen nicht stark beansprucht werden, also zum Beispiel keine schweren Einkaufstaschen mit dem betroffenen Arm tragen. Ausdauersport in moderater Intensität ist für die meisten Betroffenen langfristig günstig, intensiver Wettkampfsport sollte nur nach kardiologischer Freigabe erfolgen. Ausführliche Tipps für den Alltag mit Gefäßstütze, von Sport über Reisen bis Sexualität, finden Sie im Ratgeber Leben mit Stent.

Autofahren und Beruf

Nach einem Herzinfarkt gelten für das Autofahren bestimmte Wartezeiten, die von der Pumpfunktion und dem Verlauf abhängen. Details erklärt der Ratgeber Autofahren nach Herzinfarkt. Wann Sie wieder arbeiten können, hängt vom Ausmaß des Infarkts, dem Reha-Verlauf und der körperlichen Belastung im Beruf ab. Bei leichteren Tätigkeiten gelingt der Wiedereinstieg oft nach einigen Wochen, bei körperlich schwerer Arbeit kann es länger dauern oder eine Anpassung des Arbeitsplatzes nötig werden. Hilfreich ist häufig eine stufenweise Wiedereingliederung. Mehr dazu im Ratgeber Arbeiten nach Herzinfarkt.

Warnzeichen kennen

Wer einmal einen Infarkt hatte, sollte die Alarmzeichen besonders gut kennen. Dazu gehören erneute Brustenge oder Druck, vor allem in Ruhe oder bei immer geringerer Belastung, Atemnot, kalter Schweiß und Übelkeit. Auch die Frühwarnsignale, die einem Herzinfarkt vorausgehen können, verdienen Aufmerksamkeit. Bei akuten Beschwerden gilt: sofort 112. Bei langsam zunehmender Belastungsenge sollten Sie zeitnah Ihre Kardiologin oder Ihren Kardiologen aufsuchen.

Langfristige Nachsorge: Was den Stent schützt

Ein Stent behebt eine Engstelle, nicht aber die Ursache: die Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Damit weder der Stent noch andere Gefäßabschnitte erneut Probleme machen, kommt es auf die langfristige Behandlung der Risikofaktoren an:

  • Rauchstopp: Einer der wirksamsten Schritte nach einem Infarkt. Unterstützung bieten Reha, Hausarztpraxis und Rauchfrei-Programme.
  • Cholesterin und Blutdruck: Regelmäßig kontrollieren und konsequent behandeln lassen.
  • Blutzucker: Bei Diabetes ist eine gute Einstellung besonders wichtig.
  • Ernährung: Eine mediterran geprägte Kost mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen und pflanzlichen Ölen gilt als herzfreundlich. Konkrete Empfehlungen bietet der Ratgeber Ernährung nach Herzinfarkt.
  • Bewegung: Regelmäßig und angepasst, gerne auch in einer ambulanten Herzsportgruppe.
  • Kontrolltermine: Regelmäßige Termine in Hausarztpraxis und Kardiologie, mit EKG, Laborwerten und bei Bedarf Herzultraschall oder Belastungstest.

Eine routinemäßige erneute Herzkatheter-Untersuchung ohne Beschwerden oder Hinweise auf eine Durchblutungsstörung ist in der Regel nicht vorgesehen. Sie erfolgt, wenn Symptome oder Untersuchungsbefunde dafür sprechen. Weitere verständliche Informationen zum Leben nach einem Infarkt bietet die Deutsche Herzstiftung.

Versorgungslücke individuell prüfen

Lassen Sie sich kostenlos und unverbindlich zeigen, welche finanzielle Lücke bei einer schweren Erkrankung in Ihrer persönlichen Situation entstehen kann und ob eine Absicherung für Sie sinnvoll ist.

Finanzielle Folgen: Wo Lücken entstehen können

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für Herzkatheter, Stent und Krankenhausaufenthalt, abgesehen von der gesetzlichen Zuzahlung für die Klinik und für Medikamente; die Reha tragen Renten- oder Krankenversicherung. Finanziell spürbar wird ein Infarkt dennoch häufig. Angestellte erhalten nach sechs Wochen Entgeltfortzahlung Krankengeld, das unter dem gewohnten Nettoverdienst liegt. Selbstständige ohne eigene Absicherung müssen Einkommensausfälle und laufende Betriebskosten oft selbst auffangen. Hinzu kommen Fahrtkosten, Zuzahlungen und mögliche Anpassungen im Alltag.

Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung, auch Dread-Disease-Versicherung genannt, kann bei einem im Vertrag definierten Herzinfarkt eine vereinbarte Einmalleistung auszahlen, über die Sie frei verfügen, etwa um eine Einkommens- oder Versorgungslücke zu überbrücken. Sie ersetzt keine Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern kann sie ergänzen; die Unterschiede zeigt unser Vergleich BU vs. Schwere-Krankheiten-Versicherung. Ob sich eine solche Police lohnt, hängt von Einkommen, Familie, Rücklagen und bestehendem Schutz ab. Wie die Absicherung bei Herzinfarkt und Schlaganfall im Detail funktioniert, erklären wir in einem eigenen Ratgeber.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, einen Stent bei einem Herzinfarkt zu setzen?

Ein einfacher Eingriff kann in weniger als einer Stunde abgeschlossen sein. Sind mehrere Gefäße betroffen oder ist der Befund komplex, dauert er länger. Entscheidend beim Herzinfarkt ist vor allem, dass zwischen Diagnose und Wiedereröffnung möglichst wenig Zeit vergeht; laut ESC-Leitlinie sollen beim ST-Hebungsinfarkt höchstens 120 Minuten verstreichen, angestrebt werden deutlich kürzere Zeiten.

Tut das Setzen eines Stents weh?

Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung der Einstichstelle am Handgelenk oder in der Leiste. Das Vorschieben des Katheters in den Gefäßen ist nicht schmerzhaft. Beim Aufdehnen des Ballons kann kurz ein Druckgefühl in der Brust auftreten. Bei Bedarf gibt das Team Beruhigungs- oder Schmerzmittel.

Wie lange muss ich nach einem Stent Blutverdünner nehmen?

Nach einem Herzinfarkt werden meist zwölf Monate lang zwei Plättchenhemmer kombiniert, bei geplanten Stents wegen stabiler KHK in der Regel sechs Monate. Danach wird meist ein Plättchenhemmer dauerhaft weitergenommen. Die Dauer kann je nach Blutungsrisiko angepasst werden. Setzen Sie die Medikamente nie ohne Rücksprache mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen ab.

Was ist der Unterschied zwischen Stentthrombose und Restenose?

Bei einer Stentthrombose verschließt ein Blutgerinnsel den Stent plötzlich, meist in den ersten Wochen; das äußert sich wie ein Herzinfarkt und ist ein Notfall. Bei einer Restenose wächst Gewebe im Stent nach und verengt ihn langsam über Monate, was zu zunehmender Brustenge bei Belastung führen kann. Moderne beschichtete Stents machen die Restenose deutlich seltener.

Kann ich mit einem Stent ins MRT?

In aller Regel ja. Moderne Koronarstents gelten als bedingt MRT-sicher, Untersuchungen sind unter Beachtung der Herstellerangaben meist auch kurz nach der Implantation möglich. Informieren Sie die Radiologie trotzdem immer über Ihren Stent und zeigen Sie Ihren Implantat- bzw. Stentausweis vor.

Bleibt der Stent für immer im Körper?

Ja. Der Stent wird im Laufe der Zeit von körpereigenen Zellen überzogen und wächst in die Gefäßwand ein. Man spürt ihn nicht, und eine Entfernung ist weder nötig noch vorgesehen. Verengt sich das Gefäß erneut, kann es per Katheter erneut behandelt werden.

Wann darf ich nach einem Stent wieder Sport treiben?

Bewegung ist nach einem Stent ausdrücklich erwünscht, sollte aber schrittweise gesteigert werden. Nach einem Herzinfarkt geschieht das idealerweise im Rahmen der Reha auf Basis eines Belastungstests. Intensiver Wettkampfsport sollte nur nach kardiologischer Freigabe erfolgen. Die Einstichstelle sollte in den ersten Tagen geschont werden.

Was muss ich als Patient für einen Stent bezahlen?

Gesetzlich Versicherte zahlen für Eingriff und Stent nichts extra. Es fällt lediglich die gesetzliche Zuzahlung für den Krankenhausaufenthalt an, die pro Kalenderjahr begrenzt ist, sowie die üblichen Zuzahlungen für verordnete Medikamente, sofern keine Befreiung besteht. Privat Versicherte richten sich nach ihrem Tarif.

Fazit: Ein kleines Implantat, das große Verantwortung mit sich bringt

Ein Stent nach Herzinfarkt ist eine der wichtigsten Errungenschaften der modernen Kardiologie: Er öffnet das verschlossene Gefäß schnell und schonend, rettet Herzmuskel und ermöglicht vielen Betroffenen eine Rückkehr in einen weitgehend normalen Alltag. Seine Wirkung hängt jedoch davon ab, was danach geschieht. Die zuverlässige Einnahme der Plättchenhemmer schützt vor einer Stentthrombose, die konsequente Behandlung der Risikofaktoren vor neuen Engstellen. Anschlussreha, regelmäßige Kontrollen und das Wissen um Warnzeichen runden die Nachsorge ab. Bei erneuten Infarkt-Beschwerden gilt auch mit Stent: sofort die 112 wählen.

Neben der medizinischen Nachsorge kann es sinnvoll sein, die eigene finanzielle Vorsorge zu überprüfen, solange Sie gesund sind. Welche Tarife für eine Schwere-Krankheiten-Versicherung infrage kommen und was sie bei Herzinfarkt leisten können, zeigt unsere Tarifübersicht.

Welche Absicherung passt zu Ihnen?

In einer kostenlosen Erstberatung klären wir ehrlich und anbieterneutral, ob und in welcher Form eine Schwere-Krankheiten-Versicherung zu Ihrer Lebenssituation passt.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Therapieentscheidungen trifft immer das behandelnde Ärzteteam; ändern oder setzen Sie verordnete Medikamente nicht ohne Rücksprache ab. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie sofort den Notruf 112. Die Hinweise zur Absicherung ersetzen keine individuelle Versicherungsberatung. Stand: 2026.